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Nachträgliches von A. Puschkin.

Die hier folgenden Lieder wurden (gleichwie die vorstehenden von Feth, Turgénjew, Tjutschew und ein paar von Kolzoff) auf Veran. lassung der Frau Viardot. Garcia übertragen, welche dieselben in Musik gesezt hat.

Das Blümlein.

Im Buch ein Blümlein seh ich liegen,
Vergessen, duftlos und verblüht;
Gedanken, wundersame, fliegen
Mir bei dem Anblick durchs Gemüth.

Wo blühte sie? wann und wie lange? Wer pflückte sie? durch was bewegt? In welchem Lenz? an welchem Hange? Warum ward sie hieher gelegt?

Als Zeichen holden Wiederfindens,
Als unheilvoller Trennung Mal?
Oder des seligen Verschwindens
Jm dunklen Wald, im stillen Thal?

Und lebt er noch? lebt sie noch heute?
Wo weilen sie zu dieser Frist?
Oder sind sie des Todes Beute,
Verwelkt wie diese Blume ist?

wenn es wahr ist, daß zur Nacht.

wenn es wahr ist, daß zur Nacht, Die in den Schlaf lullt alles Leben Und nur des Mondlichts bleiche Pracht Läßt um die Grabessteine weben. Owenn es wahr ist, daß dann leer Die Gräber stehn, die Todten lassen, Erwart ich Dich, Dich zu umfassen, Hör', Leila, mich! Komm her!

Erschein' aus Deinem Schattenreich,

Ganz wie Du warst vor unserm Scheiden,
Dem kalten Wintertage gleich,

Das Angesicht entstellt von Leiden:
O komm, ein ferner Stern, daher,
O komm, ein Hauch, ein leis Getöne,
Oder in schreckenvoller Schöne,
Mir ist es gleich, komm her!

Ich riefe Leila darum nie,

Des Grabs Geheimniß zu erfahren,
Auch nicht zum Vorwurf gegen die,
Die meiner Liebe Mörder waren,
Auch darum nicht, weil oft mich schwer
Die Zweifel quälen ---

Daß treu, wie stets
Es jezt noch schlägt.

nein! zu sagen, mein Herz geschlagen, Komm her!

Nachts.

Die Töne, die sich sanft und sehnsuchtsvoll Dir neigen,
Durchdröhnen spät der Nacht geheimnißvolles Schweigen.
Mein Licht glimmt neben mir, der traurige Gesell

Der Nacht! und voll von Dir rauscht hell mein Liederquell,
Von Dir, von Dir allein, mir mehr als Alles theuer.
Vor mir Dein Auge glüht mit liebeshellem Feuer,
Es lächelt freundlich mir und selig klingt's dazu:

Mein Freund, mein süßer Freund, mein Glück, mein All

bift Du!

F. Bodenstedt. VII.

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