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heißer glühte mein Herz.

Heißer glühte mein Herz
Ihm als Feuer und Tag,
Andern schlägt es so heiß
Nimmermehr, nimmermehr!

Nur mit ihm ganz allein
Lebt ich gern in der Welt;
Ihm allein war mein Herz ,
Jhm mein Leben geweiht!

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Welche Nacht, welcher Mond,
Wenn ich wart' auf den Freund!
Bleich und kalt steh ich da
Und es zittert mein Herz.

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Sieb, da fommt er und singt:
»Nun, wo bist Du, Herzlieb?«
Und er reicht mir die Hand,
Und er füßt mir den Mund!

Mein Geliebter, balt' ein! Mit dem Küssen halt ein! Ohne Kuß schon bei Dir Glüht genug mir das Blut,

Ohne Kuß schon bei Dir Färbt die Wange fich roth, Und es wogt meine Brust Und es leuchtet mein Aug' Wie am Himmel die Stern'!

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1

Ode an Gott.

Nach Dershawin) (geb. 1743, + 1816).

Du, endlos im Raume waltend,
Urewiger im Lauf der Zeit,
Geftaltlos dreifach Dich gestaltend
In offenbarter Göttlichkeit!
Geift, überall, alleinig webend,
Obn' Ort und ohne Anfang lebend,
Stets unerreichbar, unerkannt;
Du, Alles durch Dich selbst erfüllend,
Erhaltend, gründend und umhüllend,
Almächtiger, von uns Gott genannt!
Ob Menschengeift das Meer ergründe,
Den Sand, der Sterne Glanzgeftrahl
Ermesse und in Zahlen fünde -
An Dich reicht weder Maaß noch Zahl!
Es ist kein Geift, den Du erzeugtest
Und selbft mit ewigem Lidt erleuchteft,
In Deinen Rathschluß eingeweiht.
Gedanken, tühn zu Dir erhoben,
Sind schnell in Deinem Glanz zerstoben
Wie ein Moment in Ewigkeit.
*) Dieses berühmteste Gedicht des Vaters der modernen russischen
Poesie wurde nicht nur in alle europäischen Sprachen, sondern auch
in's Chinesische und Japanesische überseßt und mit goldenen Buchstaben
geschrieben im Palaste des Kaisers von China und im Tempel von

Jedbo aufgehängt.

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