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Verzeil mir, mein Heiland,
Daß meinem Gebete
Einfloß eine Thräne:
Sie leuchtet im Dunkeln
Von Liebe zu Dir.

Das Grab.

Wer liegt hier begraben? Stil ist es und einsam, Ein Kreuz ragt von Schilfrohr, Ganz frisch ist das Grab. Und zeigt in der Dede Sich ringsum kein Pfad? Weß Leben entfloh hier? Wer kam hier an's Ziel? Beging hier ein wilder Tatar einen Raubmord Im Dunfel der Nacht, Benetzte die Erde, Die russische Erde Mit dampfendem Blut?

Verlor eine junge
Bewohn'rin der Steppe
Thr einziges Kind hier?
Sie herzt es und kostes,
Und bitterlich weinte
Beim Tod' ibres Lieblingsi
Und frei unterm Himmel
Auf offenem Felde,

In Kornblumen - Hülle
Begrub fie ihr Kind.

Stürm'sche Winde weben
Klagend über’s Grab hin,...
Dürre Steppenhalme
Neigen ihre Häupter,
Und das Gypskraut wuchert
Rings am Grab vorüber.
Wie die Winde brausen
Durch die öde Steppe,
Nimmer wedt ihr Klagen
Was im Grabe schlummert!
Nur in Einem Herzen
Aufersteht es lieblich
Lebt es lieblich fort.

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Das hohe Geheimniß.

Wolfen tragen Wasser,
Wasser tränkt die Erde,
Früchte zeugt der Boden.
Oben Sterne zahllos,
Unten Leben zahllos
Dunkel bier, dort belle
Sind der Schöpfung Wunder.

Und in Zweifeln alternd Ob den hoben Räthseln Ein Jahrhundert immer Raftlos folgt dem andern, Und die Ewigkeit fragt Jegliches Jahrhundert: Womit schloß die Laufbahn? Antwort giebt ein jedes: Danach frag' die fünftigen. Jm Gebet zum Himmel Kühn erhebt der Geist fich: Deute mir der Schöffung Wundervoll Geheimniß ! Und er sendet Antwort Neu geheimnißvolle, Neue Schöpfungswunder, Stürmische und stille, Den Verstand verwirrend.

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Was wird aus dem Weltall,
Wenn die Zeit erfüllt ist?...
Brenne heller, Lämpchen
Vor dem Gottesbilde!
Mich erdrückt das Denken,
Das Gebet erhebt mich!

Sit' am Tisch allein.

Sit' am Tisch allein
Und ich denke nach
Wie es traurig ist
So allein zu sein!

Liebe in der Brust
Und kein junges Weib
Reinen treuen Freund
In der weiten Welt;

Schäße nicht, felbft fein
Warmes Winkelchen,
Egge nicht, noch Pflug,
Keinen Adergaul —

Ach, nichts hinterließ
Mir mein Väterchen,
Außer Armuth und
Rüft'ger Leibeskraft.

Und auch die ist hin,
Ist schon längst geknickt,
Seit mich bitt're Noth
In die Fremde trieb.

Sit' allein am Tisch
Und ich denke nach),
Wie ich bis zum Grab
Leben muß allein!

frage.

Wie kannst Du
Der Sonne rufen:
Hör' mich, Sonne!
Steh beweglos :
Daß am Himmel
Du nicht wandelst,
Daß auf Erden
Du nicht leuchteft.

Tritt an's Ufer,
Blick aufs Meer bin:
Wie kannst Du
Das Meer bewegen
Daß das Wasser
Drin erkalte,
Seine Flut
Zu Eis erstarre.

Giebt's Gewalten
Der Gewalt'gen
Die den Lauf
Der Weltenkugel
Hemmten, daß fie
Stille stände,
Nicht mehr freiste?

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