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welche Mittel alle Gattungen derselben verursacht und gedämpft werden können. 8. 76. Mittel und Gegenmittel der Traurigkeit. l. 77. von der Liebe und ihren Gattungen. S 78. von den verschiedenen Gattungen des Hasses und Unwillens; bei welcher Gelegenheit wider die Erklärungen, die vom Zorn und von der Berachtung gegeben werden, vieles einzuwenden wäre, wenn nur der Raum eine solche Weitläuftigkeit erlaubte. überhaupt wird man bemerken, daß der Hr. Berf. öfters Mittel vorschlägt, einen Uffect zu erzeugen oder zu dámpfen, die nicht aus der von ihm gegebenen Erklärung fließen; und da die Mittel felbst ihre Richa tigkeit haben, so ist dieses ein offenbarer Berpeis von der Unzulånglichkeit der Erklärungen. Die Mittel, die er %. B. S. 80. zur Dåmpfung des Zorns anpreist, können diese Wirkung nicht haben, wenn der Zorn nicht eine Unlust über ein angethanes Unrecht ist, wie solcher von den meisten Weltweisen erklärt wird. Nach des Hrn. Verf. Erklärung S. 79. aber ist er bloß ein plöglicher heftiger Unwille, der die Besserung des Andern zum Endzweck hat, oder wenigstens für Andere durch Strafe ein Erempel stiften wil. 79. von den Vorstellungen gegen die Wollust, davon aber gar nichts gesagt, und der Leser auf die Moral verwiesen wird. $ 80. von den Vorstellungen für und wider die Ehrbegierde. 8. von der Beförderung und Dámpfung der Geldliebe, und endlich 82. u. flgd. von ans dern Willensthåtigkeiten, die mit den Affecten Ähnlichkeiten haben, als: dem Muth, der Verwegenheit, der Eifersucht, dem Urgwohn u. f. 6.; welche alle mit einer fast unvergeblichen Kürze übergangen werden. Die Mittel, die der Hr. Perf. zu Erregung und Dämpfung aller Arten der Affecten vorschlägt, sind zwar unverwerflich; allein wir glauben, sie hätten weit fruchtbarer seyn können, wenn der Endzweck, ein ,,bequemes Handbuch der Wohlredenheit" zu schreiben, dem Hrn. Verf. erlaubt håtte, tiefer in die Wahrheiten der Seelenlehre einzudringen, und die Erklärungen der neuern Weltweisen zum Grunde zu legen, die alle als eben so viel notiones directrices anzusehen sind. $ 85. u. flgd. von den Nebenbetrachtungen, Erempeln, dem Gegens theile, von dem Gebrauche der Belefenheit, von Folgerungen und Vermuthungen u. r. w. Ferner 91. von (charfsinnigen, wißis gen und fatyrischen Einfällen. $ 94, von der oratorischen Bors Fichtigkeit nach Rollin's Manière d'étudier et d'enseigner les belles lettres T. II. $ 95. von der Wahl und § 96. von der Wahrheit der Gedanken, und endlich $ 97. von der natürlichen Denkungsart, find lauter vielsprechende überschriften, die aber in der Ausführung sehr kurz abgefertigt werden. Besonders hätten wir gewünscht, zum Nugen der angehenden Liebhaber der scho: nen Wissenschaften die beiden Materien von der Wahrheit der Gedanken und von der natürlichen Denkungsart etwas weitlåuftiger abgehandelt zu sehen. Vielleicht håtte an andern, weit unerheblichern Materien der Raum zu diesen und andern ausgelassenen wichtigen Anmerkungen vollkommen wieder erspart werden können.

Das dritte Hauptstück, „von dem Ausdruck und der Schreibart", enthålt von § 98. bis 9 148. fast lauter grammatikalische Porschriften, die, wie wir bereits oben erinnert, nicht zu unserm Vorhaben gehören. 148. von der Undeutlichkeit, die aus langen Perioden entsteht, davon § 149. ein kaiserliches Schreiben von 1713 zum Erempel angeführt wird. Man hátte vielleicht gewünscht, Erempel hiervon aus einem Redner oder andern Schriftsteller zu lesen, weil der Sanzleistyl überhaupt, aus mehr als Einem Grunde, unangenehm zu lesen ist. Endlich hat sich der Hr. Verf. die Mühe genommen, S 151, dieses kaiserliche Schreiben in kurze Perioden abzufassen.

Im § 153. sind alle die Erempel, die von gleichgültigen Rebensarten angeführt werden, unsers Erachtens nur in sehr wenigen Fällen gleichgültig; und wäre zu wünschen, daß sich unsere deutschen Gesellschaften angelegen fenn ließen, ein solches Werk im Deutschen zu Stande zu ring als des Abts Girard Synonymes françois für die Franzosen ist. Ein solches Werkwürde der Kühnheit unserer kleinen Geister Schranken Teken, die ohne Noth neue Worte und Redensarten fchmieden, ohne die großen Genies dadurch einzuschränken, welche es fühlen, wo die Sprache für ihre Gedanken zu enge ist.

Im 154. von der pobelhaften und edlen Schreibart. Hier sehen wir nicht ein, warum die Wörter Speichel, nađend und Rumpf für unedel erklärt werden. . Speichel ist gerade ein edles Wort für zwei oder drei andere, die man nur im gemeinen Leben braucht. Nackend und Rumpf können, wie viele andere edle Wörter, nur selten, und zwar durch einen unrechten Gebrauch, unedel werden. Sonst wird sich Niemand in einem Buche von den schönen Kúnsten schämen zu schreiben: der Rumpf des Michael Angelo ist das schönste

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Muster des Nackenden an einer månnlichen Figur. Kurz darauf sagt der Hr. Verf.: ,, bei den Alten waren Ochsen, Efel u. s. w. gar nicht pöbelhaft. Søt sind die Wörter vache, truye, ,,cochon bey den Franzosen eine Todsünde". Wie hier der Ges brauch der alten Deutschen und der neuern Franzosen zusammen: kommt, ist nicht wohl einzusehen. Hierher hatten Beispiele von Wörtern gehört, welche bei unsern Voråltern edel waren, bei uns aber pobelhaft sind. Die jeßt angeführten sind noch nicht póbelhaft.

Im g 158. von der Sprache der Uffecten. Die Affecten haben ihre besondere Sprache, und ihre besondere Denkungsart. Sie find so eilfertig, daß fie fich von nichts aufhalten lassen; fie bekümmern sich öfters weder um die grammatikalische Ordnung der Constructionen, noch um die logikalische Richtigkeit der Schlüsse. Zuweilen versäumen sie die Conjunctionen. 3. B. Xenophon sagt von den Griechen: sie schlossen ihre Schilder an einander, wurden gedrängt, stritten, tódteten, blieben auf der Stelle. Im Gegentheil werden nicht selten im Affecte die Conjunctionen und sogar gleichgültige Rebensarten gebäuft, aus Besorgniß, sonst nicht verstanden zu werden oder nicht nachdrücklich genug zu reden; . B.: ist es gut, hier Hütten zu bauen? ist es gut, hier lange in Unfrieden zu leben? ist es gut, hier unter den Verkehrten zu bleiben? Nein! nein!

Die Affecten betrachten die Sachen nicht nach ihrer wahren Große, sondern entweder als großer oder kleiner. Wenn man mit Uffect von einer Sache redet, so kann man so erhißt werden, daß man abwesende, vergangene, oder künftige Dinge fich als gegenwärtig vorstellt. 3. E. Hector schrie überlaut den Trojanern zu, sie sollten die Schiffe der Griechen anfallen, das langsame und schädliche Plündern einstellen; denjenigen, den ich erblicken werde, daß er sich von dem Schiffporte entfernt, will ich auf der Stelle zum Tode verurtheilen" u. s. w. Im 159. von dem Wohlklange überhaupt u. s. w. Einige allgemeine Regeln, die hier von dem Numerus sowohl als von der Harmonie gegeben werden, sind zwar unverwerflich; allein die Beispiele, die aus den Reden eines Fléchier, eines Cramer's, und aus des Hrn. Verf. eigener berühmten Lobrede auf den König in Dänemark angeführt werden, erklären die Sache weit deutlicher; und es wäre zu wünschen, daß der Hr. Verf. in den einzelnen, wohl ausgesuchten Beispielen die Schönheit der Perioden zergliedert, und die Kunstgriffe gezeigt håtte, wodurch diefe Meister das Ohr so sehr zu entzücken gewußt haben. Zulegt folgen einige Erem: pel von derjenigen Harmonie, vermoge welcher der Schall der Worte mit dem Gegenstande übereinstimmt.

Von der Metapher, der allegorie und dem Gleichnisse findet man hier § 161. Tehr auserlesene Erempel aus Fléchier, Mosheim, Opig, Homer und Andern. Auch 163, und flgd. von der Hyperbole und Litote, von der Ironie, von der Personendichtung, der Unrede und der Einführung einer fremden Rede wird viel lehrreiches gesagt, und schon durch Erempel er: läutert, das wir aber aus Liebe zur Kürze übergehen müssen. § 171. von der malerischen Abschilderung. Sie ist darin von der historischen Beschreibung unterschieden, daß fie die Sachen nicht nur, wie jene, kenntlich macht, sondern auch die Einbildungskraft der Leser und Zuhörer zwingt, sich das Sinnliche an einer Sache sowohl fymbolisch oder durch Worte, als auch mit anschauenden Begriffen vorzustellen. Es hat ganz verschiedene Wirkungen, ob ich einen sinnlichen Gedanken wirklich denke, ober ob ich mich durch sein bloßes Zeichen auf andere Gedanken füh= ten lasse. Denke ich ihn wirklich, so stellt sich die Einbildungskraft den ganzen Gegenstand mit vielen kleinen Umständen vor, die in die Sinne fallen. Und wie viel kann daran nicht gelegen seyn, um zu beweisen, um in Uffect zu feßen, um den Scherz, die Bosheit, die Zärtlichkeit eines Gedankens recht merklich zu machen? (Der Vorzug der anschauenden Erkenntniß håtte auch aus der bloßen Erklärung der Schönheit dargethan werden können.)

Von den Mitteln, einen anschauenden Begriff zu erweden, werden hier sehr gute Regeln gegeben. $ 175. von den' Gegensåßen. Diese Gattung der Figuren", sagt der Hr. Verf., ,,kann ich nicht eher beschreiben, als bis ich einige Erempel das von zuvor angeführt habe". Er sammelt daher eine Menge von Beispielen, und reducirt fie alle auf viererlei Arten, ohne jedoch eine allgemeine Definition daraus abzusondern. Wir wissen nicht, was der Hr. Verf. an der Erklärung des Aristoteles (in seiner Rhetorik B. III. 6. 9.) auszuseßen gehabt habe. Im $ 179. leitet der Hr. Verf. die drei Hauptgattungen der Schreibart von den drei verschiedenen Endzwecken her, die sich der Redner oder Schriftsteller vorseßen kann. Denn er wird entweder den Unter: richt, oder das Ergóken, oder die Rührung feinen Hauptenbzweck

seyn lassen. Der Unterricht erfordert die niedrige Schreibart oder die Schreibart der bloßen Deutlichkeit; das Ergókende eine mittlere oder sinnreiche, wißige und zierliche Schreibart. Die Werke aber, die zur Rührung abgefaßt werden, müssen erhaben, feurig, oder fanftbeweglich geschrieben seyn. Die Erempel, welche $ 180—186. angeführt werden, sind, außer zweien aus dem Messias, fast alle in Rollin's Manière d'étudier et d'enseigner les belles lettres T. II. anzutreffen. Vielleicht dürfte man sich auch überhaupt an den häufigen Erempeln stoßen, die der Hr. Verf. aus französischen Schriftstellern anführt, da er doch öfters deutsche Meisterstücke håtte zum Muster anführen können. Wer hatte & B. geglaubt, daß man zum Muster der satyrischen Schreibart einen Brief in Profa von Boileau an den Herzog von Vivonne überseken trerde? da wir einen Rabener haben, dessen fatyrischer Geist von unsern Nachbarn bewundert wird.

Der 194, u. flgd. von dem asiatischen, attischen und thodischen Styl. $199. u. flgd.: von dem Schwulste, dem falschen Schimmer, von der matten, affectirten und unnatürlichen Schreibart; enthalten die bekanntesten Regeln nebst einigen Erempeln, daraus sich nichts merkwürdiges anführen läßt.

Vom zweiten Theile, darin von der Prosa gehandelt wird, wollen wir uns begnügen die wichtigsten überschriften anzu: führen. Erstes Hauptstück, $ 205. Regeln der Überlegung, $206. von den Uuszügen, § 207. von der Nachahmung,

208. von den Anmerkungen. 2tes Hauptstück, von Gesprächen und Complimenten. 3tes Hauptstůck, von Briefen ; 211. wo man gute Erempel und Regeln der Briefe findet, 212. Auszug aus Gellert's practischer Abhandlung von Briefen. 4tes Hauptstück, von Lehrbüchern und Ubhandlungen; § 214. von dem Unterschiede und der Deutlichkeit der Lehrbücher, S 215. von der schönen Schreibart in Lehrbüchern, 216. von der Gründlichkeit und den Nebengedanken in Lehrbüchern, § 218. von den Abhandlungen. 5tes Hauptstück, von Reden. Man wird sich ziemlich betrügen, wenn man hier die Regeln einer wahren Beredsamkeit nebst den Erläuterungen aus den Meister: stůcken der alten und neuern Redner erwartet. Die Absicht des

Verf., im gemeinen Leben nårlich zu seyn, hat ihn ge: nöthigt, sich mehr um den Schlendrian, als um den guten Geschmack zu bekümmern. Er handelt ziemlich weitläuftig von Complimentsreden, von den gewöhnlichen Reben bei Hofe, von

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