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diese harmonische, innerliche Empfindungen auch die Kräfte der Seele auf eine ihr zuträgliche Weise beschäftigt werden, wodurch auch eine subjective Realität in der Seele geseht wird. Überhaupt erzeugt jede anschauende Betrachtung einer objectiven Vollkommenheit auch eine subjective Vollkommenheit, die der Seele nicht anders als angenehm seyn kann.

Eine ähnliche Beschaffenheit hat es mit dem Schmerze (S. 87.). Die Seele nimmt nicht nur die übel wahr, die dem Körper drohen; sondern ihre eigenen Empfindungskräfte werden durch viele mißstimmende Empfindungen auf eine unharmonische Weise beschäftigt.

S. 91. Die Möglichkeit möchte wohl geläugnet werden können.

Eigenhändige Notizen von Moses Mendelssohn in Stosch's Synonymen. Frankfurt a.. bei Braun, 3 Bånde. 1770.

(Das Original im Besiße des Herrn J. Muhr in Berlin.)

gleichgültig, gleichgeltend. Was weder Lust, noch Unlust bezeigt, ist gleichgültig. Zwei Dinge, die einen gleichen Werth haben, sind gleich geltend.

glücklich, glückselig. Beide werden sowohl subjectiv, als objectiv gebraucht. Was durch einen Zufall wohl von statten geht, ist glücklich; so wie auch die Person, der alles nach Wunsch ausschlägt und die sich im äußerlichen Wohlstande befindet, glücklich genannt wird. Was unser inneres Wohl nicht weniger befördert als das äußere, heißt glückselig, so wie die Person, welche sich in diesem zweifachen Wohlseyn befindet, glückfelig genannt wird.

beweisen, erweisen. Wer Gründe vorträgt, etwas zu behaupten, der beweiset. Wenn er dadurch seinen Sah wirklich wahr macht, so erweiset er.

Gränzen, Schranken. Die äußern Enden der Ausdehnung heißen Gränzen; dasjenige, welches verhindert, daß sie sich nicht weiter erstreckt, heißt Schranken.

Stolz hat auch einen guten Verstand, und bedeutet das Gefühl von unserm eigenen Werthe, welches sowohl richtig als unrichtig seyn kann. Man sagt: ein edler Stolz.

laufen, rennen, jagen. Man läuft bloß mit den Füßen; man rennt aber auch zu Pferde oder mit einem Wagen. Jagen zeigt aber nur die Geschwindigkeit des Pferdes oder des Wagens an.

Wo eine Eintheilung geschieht, ohne daß man sich dabei eine intensive Höhe vorstellt, da wird das Wort Grad ge= braucht.

Unwissenheit, ein Mangel der erworbenen Kenntniß.
Unverstand, Unrichtigkeit der Erkenntniß.
Dummheit, Mangel der natürlichen Erkenntniß.

zufrieden, vergnügt. Mais ce n'est que le goût de ce que nous possédons qui puisse nous rendre contents, sagt Girard.

abtragen, niedrig machen, niedrigen, erniedrigen. a) Ein Berg wird abgetragen, wenn er der Erde gleich ge= macht wird; und niedrig gemacht oder geniedrigt, wenn von der Höhe etwas abgenommen wird.

b) Niedrigen in eigentlicher Bedeutung, erniedrigen in metaphorischer. Die Berge niedrigen und den Hochmuth erniedrigen.

Aufmerksamkeit, Achtsamkeit, Bedacht, Bedachtfamkeit. Die Richtung unserer Ideen auf einen Gegenstand, so wie die Fähigkeit dieses zu thun, heißt Aufmerksamkeit. Die Richtung unserer Verstandeskräfte auf einen gewissen Gegenstand: Achtsamkeit, Achtung; jenes habitus, dieses actus.

Der Gebrauch der Überlegung bei den freien Handlungen heißt Bedachtsamkeit. Man hat auch das Wort beachten

in philosophischen Schriften angenommen, und dieses bedeutet das Achtung Geben, oder die Richtung unseres Bewußtseyns auf alle Theile eines Gegenstandes, um keinen derselben aus der Acht zu lassen.

Geschlechte, Geschlechter. Hier sagt Stosch: in diesem Verstande braucht man es uneigentlich von allen Geschöpfen, welche einerlei Ursprung haben und zu einerlei Art gehören; Moses Mendelssohn aber:

die von verschiedener Art sind, aber doch eine wesentliche Ähnlichkeit mit einander haben.

krumm, gebogen. Gebogen hat auch die Bedeutung einer runden oder rundlichen Krümmung, so wie sie durch die Action des Biegens zu entstehen pflegt. Was aber eine eckigte oder geschlängelte Krümmung hat, kann nicht gebogen genannt werden, ist aber doch krumm.

bequem, geschickt, tüchtig. Stosch sagt: diese Worte geben den Begriff von einer solchen Beschaffenheit einer Sache wodurch sie fähig wird, den Zweck ihrer Bestimmung zu erreichen; Moses Mendelssohn dagegen:

wodurch ein gewisser Zweck erreicht werden kann.

Bequem der Figur, Lage und äußeren Umständen nach; Geschickt der innern Fertigkeit nach.

Von vor

vorschießen, vorstrecken, auslegen. schießen: Vorschuß, von auslegen: Auslage. Von vorstrecken ist mir kein n. s. bekannt.

Vorschießen scheint den Begriff mit sich zu führen, daß Jemand etwas bezahlt, das er erst nach einiger Zeit schuldig seyn wird.

Stosch sagt: z. B. es reiset Jemand von meinen Freunden auf eine Messe, und ich trage ihm auf, verschiedene Sachen für mich zu kaufen. Da ich aber den Preis nicht weiß, so bitte ich ihn, das Geld vorzuschießen, welches ich ihm bei seiner Rückkunft wiedergeben werde.

Hier seht M. M.: In diesem Beispiele scheint mir vorstrecken besser.

Stofch sagt: es sind auf einem adligen Gute einige Verbesserungen zu machen; der Edelmann schreibt an seinen Påchter, er folle nur alles in guten Stand sehen lassen und das Geld dazu vorschießen, welches er hernach von seiner Pacht wieder abrechnen kann.

Hier sagt M. M.: hier ist vorschießen richtig, weil es der Påchter hernach abrechnen wird.

Stofch sagt: z. E. wenn ich binnen vier Wochen eine Summe Geldes zu heben hätte, selbiges aber jest gleich gebrauche, so könnte ein guter Freund mir solche vorschießen.

Hier sagt M. M.: der Schuldner selbst würde mir das Geld vorschießen, ein anderer Freund aber vorstrecken.

Stofch sagt: oder ich empfehle meinen Sohn, welcher gegenwärtig auf Reisen ist, einem guten Freunde, und bitte ihn, im Falle derselbe Geldes benöthigt seyn sollte, ihm solches vorzuschießen.

Hier fagt M. M.: hier würde ich vorstrecken sagen.

Da von vorstrecken kein n. s. gebräuchlich ist, so wird das n. s. Vorschuß in allen Fällen gebraucht; auch alsdann, wenn es keine künftige Schuld betrifft. In Vorschuß stehen; einen Vorschuß bewilligen, welches ein Darlehn ohne Zinsen andeutet. Beim Auslegen wird das Geld einem Dritten bezahlt, welches aber beim Vorschießen und Vorstrecken nicht nöthig ist.

schmeicheln, liebkosen. Wir schmeicheln einer Person, wenn wir ihr einen größern Werth beilegen, als sie wirklich hat, um sie dadurch zu gewinnen. Wir liebkosen, wenn wir durch Reden, Geberden und Handlungen unsere Liebe zu erkennen geben.

Glied, Gliedmaß. Stosch sagt: diese Wörter bedeuten in dem eigentlichen Verstande einen solchen Theil des Leibes, welcher durch ein Gelenk mit einem andern jusammengefügt.

Hier sagt M. M.: das Gelenk ist unnöthig. Die Nase ist auch ein Glied. Ein jeder Theil des menschlichen Körpers, der sich von dem andern sinnlich unterscheidet, heißt ein Glied. Insoweit dieser Theil eine eigene Function hat, heißt er Gliedmaß. Die Gliedmaßen der Sinne; membrum, organum.

Stosch sagt: wir brauchen diese Worte nur von den åuBern Theilen des Leibes. Die innerlichen wird man nicht innerliche Glieder, sondern Theile nennen.

Hier sagt M. M.: weil sie nicht als besondere Theile in die Sinne fallen.

Stosch sagt: man sagt: ein Glied am Finger, aber nicht ein Gliedmaß am Finger.

Hier sagt M. M: weil der Theil eines Fingers keine ihm eigene Verrichtung hat.

Stofch: Glied im uneigentlichen Verstande: für einen Theil einer Gesellschaft oder Gemeinde.

M. M.: vermuthlich aus der Erdichtung, nach welcher man eine jede Gesellschaft als eine Person betrachtet.

såumen, zaudern. Wer ein Geschäft nicht sogleich vornimmt, der fäumt. Wer in Verrichtung desselben langsam ist, der zaudert.

schief, schräge, zwerch. Schief fållt eine Linie auf die andere, wenn sie mit ihr Winkel macht, die sich einander nicht gleich sind. Die Enden dieser Linie liegen sich einander fchråge gegen über. Was aber nicht gerade ist, nennt man krumm (f. krumm, gebogen). Wenn die Linie die andere durchschneidet, so sind die Winkel rechte oder schiefe. In dem vorstehenden Falle geht sie in die Quere, in dem andern aber zwerch.

Stofch sagt: uneigentlich sagt man: es steht schief mit dieser Sache.

M. M. sagt: sehr eigentlich: sie nahet sich dem Falle und ist nicht mehr aufzuhalten.

Stosch sagt: man sagt nicht: eine Zwarchflöte, sondern: eine Querflöte; nicht: zwarch über das Feld reiten, sondern: quer über das Feld reiten.

M. M. fagt: dieser anscheinende Eigensinn der Sprache läßt sich nach obiger Erklärung rechtfertigen.

abåndern, verändern. Eine Sache, die andere Bestimmungen erhält, wird geändert, und wenn dieses die we= fentliche Bestimmung betrifft, verändert. Die Veränderung der Zufälligkeiten ist eine Abänderung der Sache; z. E.:

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