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C. Die Mittelformen des Zeitworts als adverbiale Bestimmungen.

Der Infinitiv. Der Infinitiv als der abstrakte Ausdruck der Thätigkeit, welche in ihrem Werden oder in ihrer Vollendung durch seine beiden Formen bezeichnet wird, tritt namentlich als adverbiale Satzbestimmung auf und wird zu einem Mittel der Verkürzung von Nebensätzen. Seine näher bestimmte Zeitsphäre erhält er durch das Prädikatsverb oder aus dem Zusammenhange der Rede überhaupt. Eben so ist er im Allgemeinen in Beziehung auf sein Subjekt von anderweitigen Satztheilen abhängig, weil seine verbale Natur die Rücksicht auf ein Subjekt in Erinnerung zu bringen geeignet ist. Er erscheint daher wesentlich in dem Zustande grammatischer Abhängigkeit, und wenngleich er seiner abstrakten Natur nach als ein ächtes Substantiv auftreten und somit selbst zum Subjekte des Satzes werden kann, so verschmähet er doch selbst dann nicht die Partikel to, welche ihn auch äusserlich als untergeordnetes Satzglied kenntlich macht.

Der reine Infinitiv. Der Infinitiv steht entweder ohne eine ihn begleitende Partikel oder mit derselben; im ersteren Falle nennen wir ihn den reinen Infinitiv. Sein Gebrauch ist im Laufe der Zeit auf engere Grenzen beschränkt worden, doch wird er im Neuenglischen bisweilen auch noch da angetroffen, wo seine Verbindung mit der Partikel to längst geläufig geworden ist. 1. Der reine Infinitiv wird bisweilen zum Subjekte des Satzes.

Have is have (SHAKSP., John 1, 1.). Mother what does marry mean? (LONGF., I. 132.). In diesen Fällen ist der Infinitiv seinem ganz abstrakten oder materiellen Gehalte nach aufzufassen; in anderen lehnt er sich, mit näherer Bezugnahme auf die Thätigkeit eines Subjektes und deren weitere Beziehung, an unpersönliche Sätze mit oder ohne das neutrale Subjekt it, und erscheint als das logische oder selbst grammatische Subjekt des Satzes. Will't please you, pass along? (SHAKSP., Rich. III. 3, 1.) Will't please you, hear me? (Ant. a. Cleop. 2, 5.). Willt please your highness walk? (Lear 4, 7.). May it please your highness sit? (Macb. 3, 4.) When him list the raskall routes appall (SPENSER, F. Qu. 1, 7, 25.). Me lists not tell what words were made (SCOTT, L. Minstr. 5, 25.). Him booteth not resist (SPENSER, F. Qu. 1, 3, 20.). Of him I gather'd honour; Wbich he, to seek of me again, perforce, Behoves

me keep at utterance (SUAKSP., Cymb. 3, 1.). Auch die letzteren BeiMätzoer, engl. Gr. II. 2.

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spiele dürfen wir nämlich hierher ziehen, obwohl list und behove ursprünglich einen Genitiv erforderten, dessen Stelle der Infinitiv einnehmen konnte. Der Infinitiv wird längst nicht mehr in der Bedeutung eines abhängigen Kasus empfunden. Ausserdem kommt der reine Infinitiv bisweilen bei unpersönlichen Sätzen mit einem prädikativen Adjektiv, wie good, better, best vor, welches oft elliptisch eintritt: 'Tis best put finger in the eye (SHAKSP., Taming 1, 1.). It were best not call (Cymb. 3, 6.). It were best not know myself (Macb. 1, 2.). As good dissemble that thou never mean’st, As first mean truth and then dissemble it (Marlowe, Jew of M. 1, 2.). Better be with the dead, Whom we, to gain our place, bave sent to peace (SMAKSP., Macb. 3, 2.). Better end here unborn (Milt., P. L. 11, 502.). Better dwell in the midst of alarms Than reign in this horrible place (COWP., p. 336.) Best stand upon our guard (SHAKSP., Temp. 2, 1.). Best draw my sword (Cymb. 3, 6.). Truth's in a well best leave that well alone (Taylor A. READE, Masks 2.). Unangemessen scheint es, diese elliptischen Sätze als Verkürzungen persönlicher Sätze anzusehen, welche mit ähnlicher prädikativer Bestimmung und dem reinen Infinitiv vorkommen: Thou wert better gall the devil (SUAKSP., John 4, 3.). I were best leave him, for he will not hear (I Henry VI. 5, 3.). Madam, you're best consider (Cymb. 3, 2.). We were best look that your devil can answer the stealing of this same cup (MARLOWE, Doct. Faust 3, 3.). Ebenso wenig darf man darin Verkürzungen persönlicher Sätze mit dem Verb have sehen. S. weiter unten have.

In allen aufgeführten Fällen ist der Infinitiv mit to der neueren Weise angemessen; in älterer Zeit erscheint der reine Infinitiv häufig: Altengl. As him lust devyse (Chauc., C. T. 1792.). Me list not pley for age (3865.). Me lest yit ful wel slepe And pleie tweies and ones (Seuyn Sages 1632.). Lens behufys the hy (Town, M. p. 135.). For thi behofes us fle and flytt (p. 136.). It is beter let hym in stylle, Than hereinne that he yow spille (Rich. C. de L. 4137.). It is better hold that I have Then go from doore to doore and crave (Town. M. p. 11.). Bettyr is on huntynge goone (Ipom. 1244.). Yete me is best take mi chaunce, And sle me (mi?) childe, and do penaunce (LAY LE Freine 107.). Betere hem were han ybe barouns (Wright, Polit. S. p. 212). Wraththen the .. Were me loth (Anecd. p. 3.). Ah me were levere with Jawe leose my lyf, Then so to fote hem falle (Wright, Polit. S. p. 158.). Lerne the bylefe Levest me were (P. Plougum Creed 31.). Þan kinge luste slepe (Lazam. III. 214.). Himm lisste þa Wel etenn off an appell (ORM 8119.). Himm birrþ nu forrþwarrd waxenn (18468.). geþuhte vritan þe (Luc. 1, 3.). Þus unc gedajenat ealle rihtvisnisse gefyllan (Math. 3, 15.). Þe gebyrede gevisfullian and geblissian (Luc. 15, 32.). Ælene þåra pe pâs bộc rédan lyste (BOETH., em.). Hine ridan lyste (34, 7.). Gif his pe gènan lyst (Älrr. METRA 31, 1. Grein.'. Leofre ys ûs beón besvungen for lâre þänne kit ne cunnan (THORPE, Anal. p. 101.). Eallum ûs leófre ys vician mid þan yrðlinge þonne mid þe (p. 113.). Gebeorhlicre [ys) me faran tô eá mid scype minum, þänne farun mid manegum scypum on huntunge hranes (p. 107.). Plyhtlic ping hit ys gefôn hväl (ib.). Uebrigens wechselt seit früher Zeit der reine mit dem präpositionalen Infinitiv: Altengl. Now liste me to lerne etc. (Depos. of Ricu.

Ags. Me

II. p. 8.). U8 list to speke of no playe (Ipom. 1696.). It behovethe men to bere vitaille with hem (Maundev. p. 58.). This behovyth me noght, With myn hondis to baptyze the (Cov. Myst. P. 201.). Loth himn was that dede to don, And wele lother his liif forgon (AMIS A. AMIL. 646.). All swa bihofepp .. þe manness Sune onn er þe, To wurr þenn hofenn upp (ORM 16706.). Lay him wes to leosen leouen his leoden (Lazam. II. 556.). Leouere heom his to libben bi þan wode-roten al swa þat wilde swin (I. 20. cf. I. 248. III. 161.). Selbst das Ags. gebraucht schon den Infinitiv mit : Eáðere ys olfende farenne þurh nædle þyrel, bonne se rîca and se velega on Godes rîce gâ (Marc. 10, 25.). S. Präpos. Infinitiv.

Auch die oben erwähnten persönlichen Sätze mit prädikativer Ergänzung trifft man schon im Altengl. in der Weise verwendet, dass sie die unpersönlichen vertreten: That gadlyng were as good Have grevyd me nought (Town. M. p. 130.). Who so says bym agane Were better be slane (p. 85.). I am lever ete; What is drynk withoute mete? (p. 89.) Auch kommt, wie im Neuenglischen, der Infinitiv mit to vor: I am nought leef to gabbe (Chauc., C. T. 3510.). Thou wer fayrer to be a pylgryme (Rich. C. de L. 1715.). fle were better his dethe to take (Town. M. p. 187.). To do wbat I am best (p. 70.). Vgl. Neuengl. You were best to go to bed (SHAKSP., II Henry VI. 5, 1. cf. Merch. of Ven. 2, 8.). Francis hastily endeavoured to recall what he were best to say (Scorr). Statt des Infinitiv steht ein Nebensatz im Altengl.: I were lever than alle wardly wyn, That I had fon hym onys onkynde (Town. M. p. 40.). Nay yit were I leyffer my child were dede (p. 37.). In den Handschriften wechselt bisweilen der persönliche Satz mit dem unpersönlichen: A man were better dwell in desert (Chacc., C. T. p. 109. I. Tyrwh.), und: It were better to a man to dwelle in desert (p. 153. II. Wright). Die Verwandlung scheint theils durch Analogien wie I am loth neben me is loth, 1 list neben me list, 1 please neben me pleaseth u. dgl. hervorgebracht, wobei der Infinitiv stehen blieb; theils mag man dem Infinitiv eine nähere Beziehung auf das Adjektiv gegeben haben, wie sie dem präpositionalen Infinitiv zukommen kann. Vgl. Ags. His hyldo is unc belere gevinnanne bonne his viðermêdo (Cædm. 656.). S.

Präpos. Infinitiv. 2. Als prädikative Bestimmung ist der reine Infinitiv ungewöhnlich.

Vgl. II., 42. 3. Im adverbialen Verhältnisse begegnet uns der reine Infinitiv, zum

Theil noch allein berechtigt, zum Theil neben dem präpositionalen anzutreffen. a) Wir betrachten zunächst den Infinitiv bei transitiven Zeitwörtern,

zu denen wir auch die sogenannten Hülfszeitwörter und modalen Verba ziehen.

will, shall, may, must, can, welche als unselbständige Prädikatsverba zu betrachten sind, die einer näheren, konkreten Bestimmung durch einen Infinitiv bedürfen, haben seit ältester Zeit den reinen Intinitiv bewahrt.

Will you never love any one but me? (DICKENS, Pickw. 2, 20.) Shall I order a private room? (2, 19.) May his turf lie lightly on him (THACKERAY, Engl. Humourists 4.). I might have been inclined, myself, to regard a coffin-nail as the deadest piece of ironmongery in the trade (DICKENS, Christm. Car. 1.). First and foremost, you must

know that I am descended from the great, O'Brien Borru (Marryat, Pet. Simple 1, 12.). If they can also find a color for connecting this violence with the interests of civil government, they can no longer be restrained from giving uncontrolled scope to vengeance and resentment (HUME, H. of E. 37.).

Dies ist allen Sprachperioden gemein, wie der angelsächsischen: Ic ville faran (A. S. HOMIL. II. 372.). And volde hine fordón (DEUTER. 9, 20.). Nu ic cover sceal frumcyn vitan (Beov.508.). Ac vite gehva þät se ne mäg nån før of heofenum asendan, se be on heofenum silf cuman ne môt (Job 5, 1.). Mân ne câton dôn dreógan (Cædm. 189.).

Die Form willing nimmt an dieser Konstruktion nicht Theil: She is very willing to bid you farewell (SHAKSP., Twelfth Night 2, 3.). Perhaps Samuel Johnson, who spoke slightingly of Prior's verses, enjoyed them more than he was willing to own (Thackeray, Engl. Humourists 4.). Willing schliesst sich der Konstruktion der Adjektive an wie unwilling: These clinging to his cloak unwilling to be last (Rogers, Hum. Life.). Das ältere schwache Zeitwort wilnen bat häufig lo bei sich. Altengl. And wilned eft to slepe (P. Ploughm. 12079.). Ich wilnie a mine ponke to walden al Rome (Lazam. II. 632.). Im Ags. steht der Infinitiv mit und ohne to. Gif hva gevilniged (sic) tô gevitane bû gedôn man he väs (Sax. Chr. 1087.) und He vilnode hine geseón (Luc. 23, 8.). Im Altengl. trifft man aber bisweilen auch bei den oben genannten Verben den Infinitiv mit to. And willest of briddes .. to knowe Why some be alough (P. Plougum. 7871.), wo indessen die schwache Verbalform zu bemerken ist: To do youre biding ay we wille (Town. M. p. 38.). To say the best for sothe I shalle (p. 266.). My sovereyne, that suget I shulde to be (Depos, of Rich. II.

My ded to se then myght he not (Town. M. p. 329.) Bei Shakspeare in der Stelle: O heaven! that one might read the book of fate, And see the revolution of the times make mountains level ..; and other times, to see The beachy girdle of the ocean Too wide for Neptune's hips (II Henry IV. 3, 1.) erklärt die Entfernung des letzten Infinitiv die ähnliche Erscheinung wird auch bei cunnan, können, wissen, bisweilen tó gefunden: Randviggendra rîm ne cunnon .. to gesecgenne søðum vordum (CÆdm. 3363.).

Die altengl. mon, mun, moun, so wie thar haben den reinen Infinitiv. S. I., 346. þu wast wel þatt ne mune itt nohht Ben makedd þurrh þatt kinde (ORm 11356.). Ags. Ne þearf he pät gyldan (Legg. Ælfred. 28.).

dare, audere, hat neben dem reinen auch den präpositionalen Infinitiv bei sich.

I dare swear he is no hypocrite (SHAKSP., Much Ado 1, 1.). And, when his work is done, he dares not sleep (ROGERS, It. Banditti.). They dare not attempt such cruelty (SCOTT, Ivanh. 24.). Darest thou appeal to it? (ib.) If the matter were good .. I durst swear it were bis (SHAKSP., Lear 1, 2.). Other creature here, Beast, bird, insect, or worm durst enter none (Milt., P. L. 4, 703.). No sycophant or slave, that dar'd oppose Her sacred cause, but trembld when he rose (CowPER p. 10.). Mr. Knapps, who dared not punish me, while the Domine was present (MARRYAT, J. Faithf. 1, 3.). I dared not trust my own lady love (OxENFORD, Twice Killed 1, 1.). Thou, that hast

p. 4.).

Im Ags.

wasted Earth, and dar'd despise Alike the wrath and mercy of the skies, Thy pomp is in the grave (Cowp. p. 98.). Die Konstruktion mit dem reinen Infinitiv ist, wie man sieht, auch auf die später eingedrungenen Formen I dared, have dared etc. übertragen. - Dagegen wird aber auch der präpositionale Infinitiv mit allen Verbalformen von dare, ausser mit durst, verbunden. Ne dare to weepe (SPENSER, F. Qu. 1, 3, 20.). You must not dare, for shame, to talk of mercy (SHAKSP., Henry V. 2, 2.). Ask him, why .. In their so sacred paths he dares to tread (Merry W. 4, 4.). Death's gall’ry! (might I dare to call it so.) (YOUNG, N. Th. 6, 333.) But when at last I dared to speak . . your lips moved not (Tennys. p. 90.). Why have they dar'd to march So many miles? (SHAKSP., Rich. II. 2, 3.) And what I once durst do, have dard to justify (Rowe, Fair Penit. 2, 2.). No living wight .. Had dared to cross the threshold stone (Scott, L. Minstr. 1, 1.). Im Allgemeinen überwiegt der Gebrauch des reinen Infinitiv.

Die alte Sprache fügt zu dare den reinen Infinitiv. Altengl. Mid wuche bodi dar y come in þi siềt ene? (R. Of Gl. p. 35.) Y ne dar pe yse (ib.). Ther the poore dar plede (P. Plotgum. 9130.). We dar not wel loke (304.). Yonge children dorste pleyne (8256.). They dorste not loke on oure Lord (12898.). Non ther durst abyde hys dent (Rich. C. de L. 6098.) þat þu derst of Rome witsuggen æi dome (Lazam. II. 619.). Wha hit þe durre ræden (ib.). Þurrh whatt tezz himm Ne durrstenn nohht wippstanndenn (ORM 16170.). Ags. Gif þu furður dearst tô þam ânhagan aldre geneðan (ANDR. 1350.). Ic his bidan ne dear (Cod. Exon. 397, 6.). Ne dear ic hâm faran (Gen. 44, 34.). Selfa ne dorste under yða gevin aldre genetan, drihtscipe dreogan (Beov, 2941.).

need, brauchen, vonnöthen haben, vom ags. nedan, compellere, cogere (s. II., 186.) nimmt meist den reinen Infinitiv zu sich, welcher sich gleich einem Objektskasus zum Verb verhält

What need we fear who knows it? (SHAKSP., Macb. 5, 1.) You need but plead your honorable privilege (All's Well 4, 5.). His death is all I need relate (BYRON, Bride 2, 13.). Her kindness and her worth to spy, You need but gaze on Ellen's eye (Scott, Lady of the L. 1, 19.). O need l tell that passion's name? (ib.) Thou need'st not do that (MARLOWE, Doct. Faust 2, 4.). I need not add more fuel to your fire (SHAKSP., John 5, 4.). Valour need never pray to Fortune (Bulw., Rienzi 2, 4.).

Thou needst say more (Scott, Ivanh. 24.). Daneben trifft man in affirmativen und negativen Sätzen auch den präpositionalen Infinitiv. I was as virtuously given as a gentleman need to be (SHAKSP., I. Henry IV. 3, 3.). I need not to repent (Rich. II. 3, 4.). You need not to have pricked me (II. Henry IV. 3, 2.). Vice is a monster of so frightful mien, As, to be bated, needs not to be seen (Pope, Essay on M. 2, 217.).

Die Konstruktion von need mit dem reinen Infinitiv bat erst in jüngerer Zeit eine weitere Ausdehnung erlangt; im Altengl. ist sie selten. Altengl. What nede ye be abast? (Town. M. p. 143.) neben: Whan the mynystres of that chirche neden to maken any reparacyoun (Maundev. p. 174.). Ye nede not to

no

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