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bei Hipponax fr. 25 (Bergk). Bei Rückert, Gedichte p. 203, sagt die Tanne: doch, jüngere Waldgeschwister, ihr hauchet frisch belaubt theilnehmendes Geflüster um mein erstorbnes Haupt. Möricke, Gedichte p. 115, an eine Buche: Künftig sei Du die Erste von allen deinen Geschwistern, welche der kommende Lenz wecket und reichlich belaubt. Von Blumen Rückert, Gedichte p. 278: Ihr Schwestern (Rose und Lilie), o versöhnt euch, was hadert ihr und dienet zweigestaltig doch nur zu eines Lichtes Schattenbildern? Bildlich Göthe, Künstlerlied: Soll des Lebens heitre Rose frisch auf Malertafeln stehn, von Geschwistern reich umgeben. Onestes 4, 1 (Jac. Anth. 3 p. 3) nennt Quellen Schwestern: Дownię zęńvy καὶ Πηγασίς, ὕδατ' ἀδελφά. Hiermit ist zu vergleichen Soph. fr. 758 (Dind.) ὦ γῆ Φεραία, χαῖρε, σύγγονον ' ὕδωρ, Υπερεία κρήνη. 'YлεQɛíα xоýη. Von Ländern: Pind. Nem. 1, 1 "4μπvεvμa σεμνὸν Αλφεοῦ, κλεινᾶν Συρακοσσᾶν θάλος Ορτυγία, δέμνιον Αρτέμιδος, Δάλου κασιγνήτα. Vgl. Lenau, Gedichte 1 p. 132: die hohe Roma, stumm und düster, die schöne Hellas, bang mit Klaggeflüster, und ihren Schwestern traulich sich vereinend, Germania. Von Theilen des menschlichen Körpers bemerkenswerth Plaut. Poen. 1, 3, 8: obsecro te hanc dexteram perque hanc sororem laevam. Vgl. (Virg.) Moret. 28 fessae succedit laeva sorori. Catull. 66, 51 abiunctae paulo ante comae mea fata sorores lugebant. Tieck, Octavian p. 93: O Mund, o Lippen, schönes Schwesternpaar, habt ihr der süssen Küsse all vergessen?

2. Tag und Nacht sind Schwestern in dem Räthsel des Theodektes fr. 4 (Nauck p. 623): ɛioì xaoíyvytai ditrai, wv y μía tízta etc. Vgl. Lenau, Gedichte 2 p. 430: Hochzeitfeiernd hat im Haus die Stille mit dem Dunkel traulich sich verschwistert.

3. Am häufigsten kommt κασιγνήτη und ἀδελφή in Verbindung mit abstracten Begriffen vor. Noch mythisch sind die Personen: Homer. Il. 4, 441 Ἔρις, ἄμοτον μεμαυία, Αρεος ἀνδροφόνοιο κασιγνήτη ἑτάρη τε. Pind. Ol. 13, 5 Δίκα ἐν τῷ (Korinth) γὰρ Ευνομία ναίει, κασίγνηται τε xai ouóτQолоs Eigáva, Hor. carm. 1, 26, 6. Iustitiae soror, incorrupta Fides. Alcman fr. 46 (Bergk) & Túya, Evvouías

τε καὶ Πειθοῖς ἀδελφὰ καὶ Προμαθείας θύγατερ, Pind. Nem. 7, 4 τεὰν (der Eleithyia) ἀδελφεὰν ἐλάχομεν ἀγλαόγυιον "Hẞav. Hor. carm. 4, 7, 5 Gratia cum Nymphis geminisque sororibus audet ducere nuda choros. Göthe, Amor und Psyche: Den Musenschwestern fiel es ein, auch Psychen in der Kunst zu dichten methodice zu unterrichten. Göthe, Meine Göttin: Doch ich kenn' ihre Schwester, die ältere, gesetztere, meine stille Freundin. Geibel, Juniuslieder p. 377: dass ihn die zürnende Schwester (die Erinys) nicht schaut. Die Μοῖραι heissen bei Aesch. Εum. 920 ματροκασίγνηται. Geibel, Gedichte p. 24: O kennst du, Herz, die beiden Schwesterengel, herabgestiegen aus dem Himmelreich, stillsegnend Freundschaft mit dem Lilienstengel, entzündend Liebe mit dem Rosenzweig? Dagegen ist freie Personification in folgenden sententiösen Stellen: Soph. fr. 663 (Dind.) dè μωρία μάλιστ' ἀδελφὴ τῆς πονηρίας ἔφυ. Arist. Plut. 549 οὐκοῦν δήπου τῆς πτωχείας πενίαν φαμὲν εἶναι ἀδελφήν, Alcaeus fr. 90 (Bergk) ἀργάλεον πενία, κακὸν ἄσχετον, ἃ μέγα δάμναις λῖον ἀμαχανίᾳ σὺν ἀδελφίᾳ. Auch in der griechischen und lateinischen Prosa war diese Personification gebräuchlich, z. B. bei Plato und Philo, vgl. Ruhnken zu Timaeus p. 3, dem wir eine Stelle aus Philo 1 p. 658 entlehnen: τὴν εὐσεβείας συγγενεστάτην καὶ ἀδελφὴν, καὶ δίδυμον ὄντως, φιλανθρωπίαν. Sententiös Petron. Sat. 84 nescio quomodo bonae mentis soror est paupertas. Arist. fr. (Mein. fr. com. 2 p. 1065) Tɛwoyia τοῖς πᾶσιν ἀνθρώποισιν Ειρήνης pilys áðɛh¶ý. Vgl. auch Shaksp. Winter's Tale 1, 2 (Del. p. 24) my last good deed was to entreat his stay: what was my first? it has an elder sister, or I mistake you: o 'would her name were Grace. Göthe, Süsse Sorgen: So kommt, ihr Sorgen der Liebe, treibt die Geschwister hinaus. Geibel, Juniuslieder p. 362: aber dem Genius schenkte der Gott zur Schwester die Kühnheit. Hölderlin 1 p. 77: und schön ist's, wenn der Schmerz mit seiner Schwester, der Wonne sich versöhnt, noch eh er weggeht. Bei Rückert, Gedichte p. 347, spricht die Architektur in Bezug auf die übrigen Künste: Nicht dir allein, dem ganzen Schwesterchor, der hier versammelt um die Mutter (die Poesie) weilt, bau ich ein Haus.

Hense, Poet. Pers.

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Bei Schiller, Das Glück und die Weisheit, sagt das erstere zur letzteren: Komm, Schwester, lass uns Freundschaft schliessen!

4. Von Gegenständen mechanischer oder künstlerischer Production heisst die Flasche zaσtyvitη bei Marc. Argent. 21, 2 (Jac. Anth. 2 p. 247): λάγυνος κασιγνήτη νεκταρέης κύλιxos. Schiller, die Künstler: die Säule muss, dem Gleichmass unterthan, an ihre Schwestern nachbarlich sich schliessen. Vgl. Göthe, Der Wanderer: Und du einsame Schwester dort (eine Säule wird angeredet), wie ihr, düsteres Moos auf dem heiligen Haupt, majestätisch trauernd herabschaut auf die zertrümmerten zu euren Füssen, eure Geschwister!

73. Oμaipov, consanguineus, cognatus, kin, kinsman, kindred.

1. Bei Horat. Serm. 2, 6, 63 heisst die Bohne die Muhme des Pythagoras: o quando faba Pythagorae cognata simulque uncta satis pingui ponentur holuscula lardo? Vgl. Lenau, Gedichte 2 p. 445: denn der Held, den du bewirthest, Frühling, ist dein Stammgenosse. Der Schlaf ist der Blutsverwandte des Todes: Virg. Aen. 6, 278 consanguineus Leti Sopor.

2. Von Abstracten sind bei Aesch. Sept. 343 die άgπαγαὶ διαδρομῖν ὁμαίμονες. Die Melancholie ist der Verzweiflung verwandt. Shaksp. Comedy of errors 3, 1 (Del. p. 62) but moody and dull melancholy, kinsman to grim and comfortless despair: Wichtig Shaksp. Measure for M. 2, 4 (Del. p. 48): ignomy in ransom, and free pardon are of two houses: lawful mercy is nothing kin to foul redemption. Das Laster hat eine grosse Verwandtschaft: Measure for Measure 3, 2 (Del. p. 63) the vice is of a great kindred: it is well allied. Vgl. Othello 4, 2 (Del. p. 113) for your words, and performances, are no kin together.

Sehr interessant ist die Personification durch ,,Sippschaft" bei L. Tieck, Fortunat p. 314: Ja,, kamt ihr gestern" ist Geschwisterkind mit dem verruchten Balg ein ander

mal", die Lumpensippschaft stammt von Lug und Trug und Kargheit säugte sie an schlaffen Brüsten; wohin man kommt, sind die Unholde da mit ihrem dummen Zähnefletsch und Grinsen.

3. Bei Aristophanes eq. 255 heissen die Richter die Verwandten des Triobolon: ὦ γέροντες ἡλιασταί, φράτερες τριωβόλου. Vom Schwerte Shaksp. All's well 2, 1 (Del. p. 34): my sword and yours are kin.

74. Пagέvos und Composita, zón, virgo, maidenhead, maiden.

1. Von den Naturerscheinungen nennen sich die Wolken bei Arist. nub. 298 nagłέvo ouẞoogágot. Bei Aesch. Pers. 619 heisst die Quelle so: ßάow idenλais nαρdévov πnns μετά. Euripides Bacch. 515 redet die Dirke mit εὐπάρθενε an. Der Brunnen bei Eleusis, hiess παρθένιον qoćao im hymn. Cer. 99. Die Jungfräulichkeit des Wassers wird auch bezeichnet in den Worten des Eur. Hel. 1 Nɛihov μὲν αἵδε καλλιπάρθενος ῥοαί, persifirt von Arist. Thesm. 855, vgl. (Virg.) Copa 15 virgineus amnis, Ovid. Fast. 1, 464 virginea campus obitur aqua. In Rom hiess das von Agrippa dorthin geleitete Wasser Virgo oder Aqua virgo, Ovid. Amor. 3, 385 nec vos Campus habet, nec vos gelidissima Virgo. Andere Stellen bei Forcellini. Auch yn und terra wurden παρθένος und virgo genannt. Die Cypressen bei Psophis in Arcadien hiessen αoέvo, cf. Pausan. 8, 24, 7. Das Mehl wird α09évos genannt von Antiphanes 1, 9 (Meineke, fr. com. 3 p. 27): ἁγνῆς παρθένου Δηοῦς κορῆς. Beiläufig sei erwähnt, dass mit Parodie Aeschyleischer Worte und mit besonderer Gemüthlichkeit die Aale im Kapaissee Jungfrauen genannt werden bei Arist. Ach. 848, wo der Böoter zu einem Aale sagt: πρέσβειρα πεντήκοντα Κωπαΐδων κορᾶν, ἔκβαθι. Eubulus nannte die Aale παρθένους Βοιωτίας Κωπαΐδος und die Sardelle Daingis nógn, vgl. Meineke, fr. com. 3,

236. 242.

2. Die kleineren Göttinnen, wie Nike, Dike, Nemesis, die Moiga, die Erinyen werden als παρθένοι bezeich

als

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net: Menand. fr. 218 (Meineke 4 p. 282) ἡ δ ̓ εὐπάτειρα φιλόγελως τε παρθένος Νίκη μεθ' ἡμῶν εὐμενὴς ἔποιτ' ἀεί. Pallad. 93 (Jac. Anth. 3 p. 133) Νίκαι πάρεσμεν, αἱ γελῶσαι παρθένοι. Hesiod. op. 256 ἡ δέ τε παρθένος ἐστὶ Δίκη, Διὸς ἐκγεγαυία. Aesch. Sept. 659 εἰ δ ̓ ἡ Διὸς παῖς παρθένος Δίκη παρῆν. Arat. Phaen. 133 καὶ τότε μισήσασα Δίκη κείνων γένος ἀνδρῶν ἔπταθ ̓ ὑπου ρανίη· ταύτην δ' ἄρα νάσσατο χώρην, ᾗχί περ ἐννυχίη ἔτι φαίνεται ἀνθρώποισιν Παρθένος. Macedon. 38, 1 (Jac. Anth. 4 p. 91) παρθένος εὐπατέρεια Δίκη, πρέσβειρα που λήων. Theophylact. ep. 17 ή παρθένος Δίκη διέφθαρται. Die Themis nennt der orphische Hymnus 79, 2 καλυκώπιδα κούρην. Virg. Eccl. 4, 6 von der Astraea: iam redit et virgo. - Diodor. Sard. 5, 2 (Jac. Anth. 2 p. 171) ιχναίη σε φυλάσσοι παρθένος Νέμεσις. Meleag. 124, 7 (Jac. Anth. 1 p. 37) κακοπάρθενε Μοῖρα. - Die Erinyen ruft Ajax an bei Soph. Αj. 835: καλῶ δ' ἀρωγοὺς τὰς ἀεί τε παρθένους ἀεὶ δ ̓ ὁρώσας πάντα τὰν βροτοῖς πάθη, σεμνὰς Ερινῆς ταναύποδας. Orestes bei Eurip. Or. 256 nennt sie τὰς αἱματωποὺς καὶ δρακοντώδεις κόρας. Die Lyssa wird angeredet bei Eur. Here fur. 834 mit Νυκτός κελαινῆς ἀνυμέναιε παρθένε. Philo: μιμούμενοι παρθένους τὰς χάριτας. Schiller, Abschied vom Leser: Die Muse schweigt. Mit jungfräulichen Wangen, Erröthen im verschämten Angesicht, tritt sie vor dich, ihr Urtheil zu empfangen. Geibel, Neue Gedichte p. 159: Doch sitzt an ihrer Thürme Scharten die Sage harfend noch, die Wundermaid, und lallt im Traum von Chriemhilds Rosengarten. Rückert, Gedichte p. 428 von unserer Sprache: Reine Jungfrau, ewig schöne, geist'ge Mutter deiner Söhne. In dem dem Aristoteles zugeschriebenen Hymnus auf die Αρετά (Bergk 7) wird dieselbe angeredet: Αρετά, πολύμοχθε γένει βροτείῳ, θήραμα κάλλιστον βίῳ, σᾶς πέρι, παρθένε, μορφᾶς καὶ θανεῖν ζηλωτὸς ἐν Ἑλλάδι πότμος καὶ πόνους τλῆναι μαλεροὺς ἀκάμαντας. Vgl. Shaksp. K. John 2, 1 (Del. p. 28) and done a rape upon the maiden virtue of the crown. Rückert, Gedichte p. 163: Nun auf, o Freiheit, deutsche Jungfrau, schaue getrost du wieder, wie vordem, nach oben aus blauem Aug' empor zum Himmel

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