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jectionen, die im Altfranzösischen durchgängig aspirirt waren. In der Regel findet sich das b aspirée in Worten, welche aus dem Deutschen entlehnt sind, bei denen ein Vokal auf das b folgte.

Zuletzt spricht der Verfasser über das deutsche h. Es vertauscht sich im Deutschen nicht, wie in andern Sprachen mit f und s. Das altfr. ch wird im Altdeutschen durch h vertreten. In der karolingischen Epoche wich diese Aspiration dem deutschen h. Im Ahd. findet man auch hl, bn, br, hw, wo es nicht ch lautete, sondern h. Doch die Beweglichkeit, die diesem Buchstaben eigenthümlich ist, hat Anomalien veranlasst im Abd. Es war im Deutschen eine stärkere Aspiration, als im Lateinischen.

Der Verfasser verspricht in einem zweiten Theile von diesem Resultate auf die aus dem Deutschen entlehnten französischen Worte die Anwendung zu machen und über das h in den verschiedenen Dialekten der langue d'oil zu reden. Berlin.

Dr. O. Weissenfels.

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Deutsche Nova. Hochortig angestellte Hilfslehrer. Programm des Kleinseitner Gymnasams. Prag 1865. p. 11.

Der erstere wurde vom Staatsministerium über sein eigenes Ansuchen an das Gratzer Gymnasium übersetzt. Programm des Staatsgymnasiums zu Hermannstadt 1865. p. 34.

Verzeichniss der im Studienjahre erflossenen wichtigeren Verordnungen. Programm des Gymnasiums zu den Schotten in Wien 1865. p. 90.

Betheilung mit Kleidern, Lehrbüchern und Schreibrequisiten. Programm des Gymnasiums zu Marburg in Steiermark 1865. p. 65.

Der Gymnasiallehrer Mihrens wurde über sein Ansuchen an das Linzer Gymnasium ubersetzt. Daselbst S. 68.

Immer grüne Lebensfreudigkeit und Gutmüthigkeit bildeten den Grundton seines Wesens, welches eine Horazische Lebens-Philosophie durchgeisterte. Das. S. 82.

Literarhistorisches. Ungefähr a. 1545 oder 1546 hat Diethelm Keller, Burger in Zürich, ein , Keyserbuch“ geschrieben, wahrscheinlich bei Grüninger in Strassburg berausgegeben (mein Exemplar entbebrt des Titelblattes), das ein schönes, mit Alemannischem untermischtes Hochdeutsch bietet.

S. 680 heisst es: „Under seiner herrschung (Hercules Estensis) ist under anderen anzalbaren gleerten fürbündigen menneren, auch Ludwig Ariostus mit berrlichem schein herfürgebrochen, der ein zierd ist under allen italienischen poeten und dichteren.“

Zum Volksbuch „der Melusine“ berichtet Diethelm Keller S. 525 Folgendes: „dass man aber erdicht hatt die Mellusina sey ein halber track gewesen, wirdt villicht nit ungereimpt sein, ob man es gleich dem la achsden (zaubern) zugibt, darinn sy gar wol bericht und erfaren gewesen ist; wie dann auch zu denselbigen zeyten die schwarzkunst und zauberey gar gemeyn was. oder dass sy villicht ein sömlich (gleichaussehend) thier für ein waapen gefürt hat.“

Beifügen will ich noch, was er S. 346 über die bekannte deutsche Sitte sagt, die uns schon Tacitus bestätigt diem noctemque continuare potando (p. XXII, Germ.). „Magnentius der kayser bat auff ein zeyt den knächten ein maal geben, das von dem morgen bin bis zur vesperzeit gewärt bat nach gemeinem brauch desselbigen deutschen volks.“

Birlinger.

Schnöde unziemliche Lieder. A. 1693 gab Matheus Gaisser, Pfarrherr zu U. L. Frau in Thann bei Wangen im Allgäu ein Buch heraus „Archen Noe“ (gegen die Unzucht), Dilingen.

S. 175 heisst es: „Lucas Marentius, ein berühmter Musicant, batte viel unzüchtige Lieder gemacht und unter die Welt auskommen lassen.“

Die rübmlichst bekannte Basler Rechtsquellensammlung v. Schnell bringt aus dem Jahre 1637 einen Erlass (I. 1, 540) die Wirte anlangend: „damit in seinem haus kein unzüchtig tosen, spielen, schreien, jauchzen, pfeiffen, geigen und schnöder liedern geplärre verübet werde.“

In einer Heidelberger Urkunde von 1487 (Mon. Ztsch. 13, 293) verkauft das Stift der Heiliggeistkirche die Krambu len bei der Kirche der Stadt zu Bäckerläden mit der Clausel: „der rat und burgermeister sollen auch versehen und schaffen, das der becker meyde kein unzimlich oder schamper lieder singen.“

Birlinger.

Aus einem alten Leiden Christispiel“. *) Hic aperitur Scæna, & exbibetur sequens actio. Maria tenens in gremio Corpus emortuum Filii, sub cruce sedet, S. Ioannes, Maria Magdalena, & duo Angeli circa ipsam stant, in terra jacent evulsi crines Christi, sanguis, spinæ de corona, &c. duo Angeli discantistæ cantant cantum dolorosum de B. Virg. vel de septem doloribus brevem, postea B. Virgo loquitur.

Maria.
1. O Trost! O Freud! O Süssigkeit!

Die ich bey dir ghabt allezeit,
Wie bist mir jetzt in Schmertzen?
Verkehrt in meinem Hertzen?

Johannes.
2. Acb GOtt seys klagt in höchsten Thron,

Da ligt ein Stuck von Christi Cron.
NB. Tollit è terra, & ostendit B. Virgini.

Maria.
3. O Dorn! wie harte Hertzen-Stich

Gibst mir? wann ich anschaue dich,
Was hast JEsu für Schmertzen gmacht?
Mein Hertz sinckt mir in die Ohnmacht.
Primus Angelus solus hîc canit.

Magdalena.
4. O Mutter! was nimb ich gewahr?

Da ligt ein Theil von JEsu Haar!
Das ibm die grausamb Juden-Rott
Aussgrissen hat mit grossen Spott,
Acb HErr mein GOtt vnd höchstes Gut;
Da sih ich auch dein heiligs Blut!
Dort ligt ein Gaissl, da ligt ein Sail,
Wormit gebunden war mein Hail.

*) Predigten des Heribert v. Salurn. Salzburg 1693.

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Maria.
5. O Magd'lena schau an mein Kind!

Mit mir auch jetzt ein Schmertz empfind.
O ihr Wangen! O blaicher Mund!
Wie seyt ihr so schmertzlich verwundt?
Ich küsse euch zu tausendmahl,

Ehe dass ich wider in d'Ohmacht fall.
Secundus Angelus canit, interea exit Pænitens,

& coram B. Virg. flectit.

Pænitens.
6. Ach Mutter! wie betrübst du dich?

Ich bitt dich gantz demütiglich
Du wöllst auss deim betrübten Hertzen,
Mit mir abtheilen deinen Schmertzen.
Ich, ich hab dir dein liebes Kind!
Vmbs Leben bracht mit meiner Sünd!
Möcht mir mein Hertz zerreissen,
Mein Sünden-Reu zu weisen.
Das Blut, das Creutz vnd Christi Todt,

Den er für mich aussgstanden,
Lass nicht an mir werden zum Spott
Reiss mich auss Teuffels Banden.

Maria.
7. Wer will, kan alle Augenblick

Von allen seinen Sünden,
Vnd von dess Teuffels vesten Strick

Bey JEsu Rettung finden.
Ambo Angeli simul cantant, & finiunt actionem.

Birlinger.

Bücherwürme. „So find und sicht man auch, dass gemeiniglich die, so alle Bücher, als wie ein Schwein alle Hauffen umbstürmet, nit viel sonderlichs ausrichten; dann es gehet ihnen wie dem Hunde bei dem Aesopo, der des Fleisches Schatten, welches er trug, im Wasser sahe, darnach schnappt und das Fleisch mit sampt dem Schatten verlor. Also ist es auch, wann einer ohne Verstand die Bucher umbwendet und aussen ansiebet, der verleurt zeit, Müh und Unkosten darüber“ u. 8. w. Bernhardi comitis Tervisani, Bericht von der HerDetischen Philosophia. das ist von dem hochberühmten Stein der vortrefflichen Weisen. Der ander Traktat 1602 (Vorrede).

Birlinger.

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D'Burgermoister-Waahl z'Bopte.
Eine Geschichte im Rieser-Dialekt, mit dem Wahlspruch:

Dem Reinen ist alles rein.

'S schpiehlt Anno 1444. *) 'S ischt zwor älleweil à bissle gfährle gwesa, d’ Wõbret z'saça; drom bont d'Schwoba s Sprichwoart erfunda: „'s hot a mol õir d' Wöhrét geigt, und må hotm Geig am Koopf verschlagā. Aber 's kitzelt oin balt, und sie muass wägerle 'raus, und gäëlt's õ a Geig oder an Koopf. Von Bopfe hunt'r wohl schõa eppes g’heart, soonst wär's a Schand; 's ischt ja de ällerfürnehmst Stadt im Schwobaland. No, z'Bopfe bont's a mol an Burgermoister wahla solla, sellemol wie's no a Reichstadt g'west ischt. Aber wie's eba bei solle Waahla got, so ischt's o z'Bopfe ganga, „Sie hont net õins weara könna“. D' Wirth, d'Metzger und Bäcka hont koin Schneider und Schuaschter g'wollt, und Schuaschter und d'Schneider kõin Wirth, Bäcka oder Metzger. So sind's druimol zsamma auf'm Rothhaus g’wesa, und hont g’stritta und g’stritta und g'schimpft und gefluacht, aber an Burgermoister hont's net raus broocht. Nõ, wie's in d’r Welt alleweil got, so oo z Bopfe; d'e „kluoge Köpf hont de anderre über da Löffel balbirt“, b’sonders wan's so witze und b'redt gwest sind, wie d'r Bopfinger Schuaschter Hans Kaschp'r Peech må, d'r Jungmoister von seiner Zónft.

*) Die

auf à und 7 bedeuten die nasale Aussprache.

„Mand,“ hot'r gsagt, „iich hàn's ui älleweil gsagt, und sag's à noo mol, sag'ē, soh kommet'r net z'Stroich: ihr müesset's anderscht anfanga. Loot mi ui ah an Voarschlag macha. Sehết doo dā schöana Niipf ản; 's ischt à bissle weit nauf bis auf dā Gipfel von õnsere Roth hausfenschter aus. Höarn do nauf wemmer am Samste önsere Weiber schicka, und — „wear d' sein am bloassa Hinter'a kennt dear soll Burgermoister weara.“ Hans Kaschp'r, du hescht recht, hont's gsagt, so wemmers macha. Am Hõimgange hot ieder g'mõint „d'r Burgermoister wear ich“, ab'r gsagt hot's koin'r i'r Schuaschter Peech mä aber hot denkt: wartet, ui will i kriäga; tanze mueseter, wie ich pfeif und merka solleter nix uir Lebte. 'S ischt grad Migde gwest wie'r hoimkoma ischt und der Holder eba zeite. Wie'r in d' Stuub nei komma ischt, hot'n sei Weib gruasst und er hot gsagt: „Ammerle, iez hommer no kõin Burgermoischter; z'negschtmol müeset o d' Weiber mithelfa, und wia, dees will d’r iich am Samste z’morge saga; aber no oins, am Freite ischt's Fasttag, und do möcht' i widder a mol gnuog von meiner Leibspaiss essa; und du ischt's ja o geara. D’rom, koch ons a mol reecht viel Holderschmarra für z'Mittag und z'Naacht; woischt, 's ischt ja sös gsündest Essa. Meaner hot der Kreuzkoopf net gsagt, und hot glei anfange z'schuaschtara. Am Freite z'morga, wie's aufgschtunda sind, ischt er gar feindle schmoichelbaft gwesa, und hot zua seim Weib g'sagt: „Ammerle, heint z'Naacht hot mer's dreemt, du seischt Burgermoistere gwest, und bascht an himmelbloos Hees àng’het. Aber, was i saga will, vergiss mer für heint da Holderschmarra net. 'S Ammerle, dia da Ihra kennt hot, hot gwisst, was dees z bedeute hot, und kocht an ganza Gumpa voll Holderschmarra, und hot selber geessa für zwủa. Soh ischt d'r Samste komma und ischt schön Wēeter gwesa; und d'Bopfinger Weiber bont sellemol no G'horsam und Respect voar ihre Mand g’het. D' Mand sind aufs Rothhaus ganga und d' Weiber auf da Niipf, und hont's g’macht, wie's d' Mand gwöllt hont. Spective bot's domols no net geba, und d'r Professer Lasaulx hot o no net glebt. Soonst hettet d'Bopfinger Mand noor saga dürfe: Weiber, zoiget uire ,verkeahrta Front“ und dees wär' leichter und repetiarlicher z'sage g'west. Aber 's ischt halt doch gauga; und d'r Einze, dear sen Weib soh kennt hot ischt d'r Schuaschter Peechmâ gwesa. Warom? Weil d'r Holderschmarra sei Wirking tho hot, und a gscbaider Koopf allemol Bürgermoister weara muss, wemna 1444 schreibt.

Birlinger.

Wendelsheimer Urkunden. Alemannisch. Ich Burkart Wichssler zu den zîten Schulthaiss ze Rotemburg, bekenn, dass ich uff den tag, als diser brief geben ist, mit den zwölfen geschwornen richter ze Rotemburg der statt offenlich ze gericht sass vnd do wir also zu dem rehten gesassen, dò kamen fur yns hainz bagen, zu den ziten schulthaiss des dorfes ze Winoffsbain, vnd mit jm desselben dorffs erberu bottschaft mit vollem gewalt an ir und desselben dorffs statt vnd von sinen wegen aias

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