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THE ANCREN RIWLE.

Ancren Riwle, d. h. Anachoreten - Regel, ist der Titel des von James Morton zu London für die Camden Society 1853 mit einer Einleitung, einer neuenglischen dem Texte gegenübergestellten Uebersetzung und einem sorgfältig gearbeiteten Glossar herausgegebenen Werkes, welches Regeln für das klösterliche Leben der Nonnen enthält. Der nicht unerhebliche Umfang des Werkes, welches mehr als das Sechsfache des von uns gebotenen Bruchstückes enthält, macht es zu einer reichen Quelle für die Erforschung der Formen und des Wortschatzes der alten Sprache und erregt den Wunsch einer näheren Kenntniss seines Ursprunges und der Zeit seiner Abfassung

Die vier noch vorhandenen Handschriften des Buches hat bereits Wanley (1672 — 1726) in seinem Kataloge von Handschriften, der nördlichen Litteraturen in Hickes, Thesaurus Linguarum Septentrionalium beschrieben; es sind: 1. Nero A. XIV. in der Cottonischen Sammlung des British Museum. Auf diese Handschrift

hat Morton, mit Hinzuziehung der beiden folgenden, aus denen er mit T. und C. bezeich

nete Varianten giebt, seinen Text begründet. 2. Titus D. XVIII. ebendaselbst, woran die ersten zehn bis zwölf Blätter fehlen. 3. Cleopatra C. VI. ebendaselbst. 4. Eine Handschrift im Corpus Christi College zu Cambridge unter dem Titel Ancren Wisse

Nr. CCCII. in Nasmith's Kataloge dieser Bibliothek woraus Morton p. XXIII. nach Wanley eine kurze, die Eintheilung des Werkes enthaltende Probe giebt.

Zwei Handschriften gingen 1731 bei dem Brande verloren, dessen Alte. Sprachproben I. 1 p. 20 gedacht ist: 1. Eine lateinische Redaktion des Werkes in der Cottonischen Bibliothek MS. Vitellius E. VII.,

welche nach Smith's Katalog, 1696, die Aufschrift führte: “Regulæ vitæ Anachoretarum utriusque sexus scriptæ per Simonem de Gandavo, Episcopum Sarum in usum suarum 80

Hunc librum Frater Robertus de Thorneton, quondam Prior, dedit claustralibus de Bardenay." 2. Eine französische ebendaselbst Vitellius F. VII. unter dem Titel: La Reule de femmes

Religieuses et Recluses ; per Simonem de Gandavo, Episcopum Sarisburiensium, in usum 80rorum ipsius."

Indessen ist noch eine lateinische Redaktion im Magdalen College zu Oxford vorhanden, welche den Text vielfach zusammenzieht und den achten Abschnitt desselben ganz weglässt. Sie enthält die Aufschrift: Mic incipit prohemium venerabilis Patris Magistri Simonis de Gandavo, Episcopi Sarum, in librum de vita solitaria quem scripsit sororibus suis anachoretis apud Tarente. Sie ist von Morton benutzt worden, welcher daraus einzelne Worte und Stellen unter seinem Texte aufführt.

Die Frage, ob in dieser Nonnenregel ein altenglisches Original oder eine Uebersetzung vorliegt, ist nicht ohne Weiteres zu entscheiden. Die Vermuthung, dass es aus dem Lateinischen übertragen sei, welche von Smith, Wanley und nach ihnen von Anderen aufgestellt worden ist, erscheint unberechtigt. Dass der englische Text nicht aus der noch vorhandenen lateinischen Bearbeitung entsprungen sein kann, bat Morton schlagend nachgewiesen. Die letztere, in ihrer Verkürzung des Textes, der Beibehaltung zahlreicher unverstandener sächsischer Wörter, der widersinnigen Anwendung lateinischer Wörter, welche sich nur aus dem Misverstehen englischer erklären lassen, kann nur aus einem englischen Texte stammen.

Wanley indessen, welcher, wie er selbst ausdrücklich sagt, seine Ansicht aus einer Vergleichung des englischen Textes mit dem von ihm dem Bischof Simon zugeschriebenen lateinischen des MS. Vitellius E. VII. gewonnen hat, den wir nicht mehr besitzen, konnte jedoch eine we

rorum.

sentlich von der Oxforder Handschrift verschiedene lateinische Arbeit vor sich haben. Indessen macht eben die Erwähnung des Simon die Sache zweifelhaft, so dass eher auch hier der umgekehrte Fall anzunehmen ist. Es steht fest, dass Simon, Bischof von Salisbury, Verfasser von Statuten für die Verwaltung der Kirche seines Bischofssitzes, das Bisthum seit 1297 verwaltete und im Jahre 1315 starb, s. Godwin, de Præsulibus Angliæ Commentarius p. 347. Fabricius Bibl. Med. et Infim. Latin. XIII. p. 352. War dieser Bischof der Verfasser des lateinischen Werkes, so konnte die englische Bearbeitung, deren Sprache entschieden ein höheres Alter beansprucht, nicht aus seinem Werke fliessen, sondern nur er aus jener schöpfen.

An sich wäre gegen eine ursprünglich lateinische Abfassung von Nonnenregeln nichts einzuwenden, wie ja auch der lateinische Abriss, welcher aus unserem Buche entsprang, für Nonnen bestimmt war. Jedoch fehlt uns dafür ein Anhalt, und wir können es leichter begreifen, dass eine Regel für drei Schwestern, in der Blüthe der Jugend, wie sie der Verfasser p. 192 bezeichnet, obwohl sie nicht als seine Schwestern, sondern im Allgemeinen als Nonnen von ihm auch als Schwestern angeredet werden, in heimischer Sprache von einem väterlichen Freunde abgefasst wurde. Dass übrigens der Verfasser auch eine weitere Verbreitung seines Buches unter andere Nonnen voraussetzte, geht mehrfach aus dem Buche selbst hervor. Vgl. p. 50, 192, 410.

Man könnte aber auch an ein französisches Original denken und darin durch die sehr erhebliche Anzahl von romanischen Substantiven, welche neben einer geringeren romanischer Verba, Adjektive und Adverbien, das Buch durchziehen, bestärkt werden, wodurch gleichwohl die durchgängige sächsische Färbung des Werkes nicht beeinträchtigt wird. Man möchte sich dabei der im ersten Theile unserer Sammlung p. 358 erwähnten Statuten erinnern, die der Abt Gaufridus zweien dem klösterlichen Leben ergebenen Frauen ertheilte, und die 1338, und zwar wieder französisch, erneuert wurden. Auf die verloren gegangene französische Redaktion, welche ebenfalls auf den Simon de Gandavo zurückgeführt wird, wäre dabei freilich nicht zu fussen. Aber es ist unwahrscheinlich, dass der Verfasser, welcher den Schwestern verslunge of hire sautere, redinge of Englisch ođer of Freinchs freistellt, und also die Kenntniss beider Sprachen bei ihnen voraussetzt, ein französisches Buch für sie übersetzt haben sollte. Eben so wenig aber bedarf es der Annahme, ein französisches Original sei für die Schwestern selbst verfasst worden. Dass sie sich der englischen und nicht der französischen Sprache, etwa wegen normannischen Ursprungs, zu bedienen pflegten, geht aus der Bezeichnung des Englischen hervor, wie in: on ure leodene p. 172, wie er sie denn auch an die Geschichte der heiligen Margarete mit den Worten erinnert: Nabbe ze pis also of Ruffin þe deouel, Beliales brođer, in our Englische boc of Seinte Margarete? p. 244, worin auf die Seinte Marherete p. 13, vgl. Meidan Maregrete V. 50, hingedeutet sein mag. Das Buch scheint ursprünglich von einem englischen Verfasser gerade für die in ihm bezeichneten englischen Jungfrauen geschrieben zu sein.

Die Frage nach der Zeit der Abfassung des englischen Textes ist mit bei weitem mehr Sicherheit zu beantworten als die nach seinem Verfasser. Das Werk gehört entschieden zu den ältesten Denkmälern der englischen Prosa. Wir finden in dem einfach und schmucklos aber fliessend geschriebenen Werke die Sprache der ersten Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts, welche noch vielfach Flexionsformen des Nennwortes bewahrt und sich in den Verbalformen noch näher an die angelsächsische Sprache anschliesst. Der Einfluss des Altnordischen verräth sich weniger und nur in einzelnen Spuren. Fast auffällig nähert sich der Styl, der Wortvorrath und die Phraseologie der Nonnenregel der Sprache anderer gleichzeitiger Schriftwerke z. B. der Seinte Marherete und mehr noch der Ilali Meidenhad, so dass Oswald Cockayne in seiner Ausgabe der letzteren allitterirenden Homilie London 1866 p. VI. mit Rücksicht auf Sprache und Anschauungsweise die genannten und andere verwandte Stücke dem Verfasser der Ancren Riwle zuschreiben möchte. Indessen bemerkt man, trotz dieser Verwandtschaft, besonders in der Vokalisation wie in der Orthographie überhaupt des uns zugänglichen Textes der Ancren Riwle mehrfache nicht unerhebliche Abweichungen, welche wir nicht allein auf Rechnung der Abschreiber setzen können.

Der auf dem Oxforder Manuskripte erscheinende Name Tarente bezeichnet einen Ort in Dorsetshire in der Nähe von Crayford - Bridge und gewährt einen Anhalt für die Bestimmung der Gegend, in welcher die Nonnen-Regel entstanden und die Stätte der frommen Jungfrauen, welche der Grossmuth von Freunden ihren Unterhalt verdankten (p. 192), gelegen sein mochte. In Tarente am Stoureflusse hatte in der That Ralph de Kahaines, dessen Vater mit Wilhelm dem Eroberer in das Land gekommen war, nahe bei seinem Herrenhause, welches nach ihm auch Tarrant - Kaines, Kaineston oder Kingston genannt wurde, ein Haus für Nonnen errichtet, welches, in Verfall gerathen, vom Bischof Richard Poor erneuert wurde s. Godwin l. I. p. 740. Dieser selbst war zu Tarente geboren, starb daselbst 1237 und liess sein Herz in dem Nonnenkloster beisetzen. In ihm sieht Morton den Verfasser der Aneren Riwle, und diese Annahme hat allerdings manches für sich. Die an dem Manne gerühmte Gelehrsamkeit, Heiligkeit des Lebens und wohlwollende Gesinnung entsprechen dem Eindrucke, welchen das Buch in Beziehung auf die Persönlichkeit seines Verfassers zu machen geeignet ist. Als Erneuerer des Klosters hatte er allerdings Veranlassung, auch neue Statuten zu entwerfen. Zu bemerken ist, dass das Nonnenkloster zu Tarente dem Cistercienserorden angehörte. Obwohl dieser um die Mitte des zwölften Jahrhunderts vom heiligen Bernhard reformirt worden war, und unser Buch denselben als Schriftsteller oft citirt, so sucht man doch vergebens darin eine Bezugnahme auf ihn in der angedeuteten Rücksicht. Dass übrigens der Verfasser die Nonnen auffordert, sie möchten auf die Frage, welchem Orden sie angehören, sich zum Orden des heiligen Jakob bekennen (s. p. 8), ist eine symbolisch (nach Ep. Jacob. 1, 27) gemeinte Mahnung, welche Wanley irrthümlich im wörtlichen Sinne nahm, während ein St. Jakobsorden nie existirt hat.

Wir theilen in unserer Sammlung den zweiten Abschnitt der Ancren Riwle, welcher von der Wahrung der fünf Sinne in Beziehung auf die Sünde handelt, vollständig nach Morton's Texte mit. Erheblichere von ihm aus den Handschriften mitgetheilte Varianten geben wir in den Anmerkungen und benutzen şie zum Theil zur Berichtigung des Textes, deren dieser auch an anderen Stellen bedürftig erschien. Hinsichtlich der Verbindung zusammengesetzter Wörter haben wir mehr Konsequenz zu beobachten gesucht, als dies von Morton geschehen ist, wenn wir auch diese geringfügigen Aenderungen nicht überall bezeichnet haben. Die von dem belesenen Verfasser der Ancren Riwle angezogenen Bibelstellen, welche meist von Morton nachgewiesen sind, haben wir in unserem Abschnitte ergänzt, Stellen der Kirchenväter, welche von Morton überhaupt nicht berücksichtigt sind, haben wir, wenngleich nur zum Theile, belegen können. Der Verfasser führt nämlich häufig den Augustin, S. Gregor, S. Hieronymus, S. Bernhard, S. Anselm, wie auch den Origenes an; ebenso werden die Vitæ Patrum öfter herbeigezogen. Aus weltlichen Autoren wird: Principiis obsta, sero medicina paratur (Ovid. Remed. Am. V. 91) ohne Angabe der Quelle, ebenso: Ira furor brevis est (Horat. Ep. 1, 2, 62) citirt. Von dem Lieblingsautor des Mittelalters, Seneca, werden p. 72 die Worte: Ad summam [volo] vos esse rariloguos, tuncque pauciloquos angeführt, welche wir nicht haben auffinden können, und wovon die Wörter rariloquus und pauciloquus unseren Wörterbüchern fremd sind. Vielleicht ist die Stelle ein unächtes Fragment. Wenn wir der Morton'schen dem Texte beigegebenen Uebersetzung wie seiner Deutung der Worte und den von ihm gegebenen Etymologien nicht überall beistimmen können, so mag es ausdrücklich bemerkt werden, wie wenig wir von seiner Arbeit gering denken und wieviel wir ihr verdanken, und dass einzelne Verstösse und Irrthümer für uns die Verdienste eines Mannes nicht beeinträchtigen, dessen wir nach seinem Heimgange mit unverkümmerter Achtung gedenken.

Die in den Anmerkungen zu diesem, wie zu allen folgenden Stücken, enthaltenen Citate aus denselben Schriftstellern werden mit den Seitenzahlen derjenigen Ausgaben bezeichnet, aus denen die Stücke selbst entnommen sind. Auch sind die Seitenzahlen jener Ausgaben im Texte, wie in den Anmerkungen uuserer Sprachproben angegeben.

Ancren Riwle ed. Morton.

P. 48,

« Omni custodia serva cor tuum, quia ex ipso vita procedit.“Mid alle cunne warde, dohter," seio Salomon þe wise, “wite wel pine hegrte, uor soule lif is in hire,” zif heo is wel iwust. Þe heorte wardeins beoð þe vif wittes, sihte & herunge, *smecchunge* and smellunge, &

eueriches limes uelunge, & we wulleo speken of alle; uor hwo se wit þeos wel, he deo Salomones 5 heste. He wit wel his heorte & his soule heale. Þe heorte is a ful wilde best, and makeo

monie wilde lupes, as Seint Gregorie seit, “nichil corde fugacius.Noding ne etflið mon so sone so his owune heorte. David, Godes prophete, seide et sume time Þet heo was etstert him. "Cor meum dereliquid me" *Þet is* " min heorte is etflowen me,” & eft he blescede him & seide

þet heo was ikumen hom: Invenit servus tuus cor suum.“Louerd,” he seið, “min heorte 10 is icumen azein eft: ich hire habbe ifunden.” Hwon so holi mon, & so wis, & so war, lette hire.

etsterten, sore mei anoder of hire fluht carien. & hwar etbrec heo ut urom Davið, þe holi king, Godes prophete? Awar? God hit wot, et his eie þurl, þurh a sihţe Þet he iseih; þurh a biholdunge, ase ze schulen herefter iheren.

Uorþui, mine leoue sustren, pe leste pet ze euer muwen luuiet our þurles, al beon heo 15 lutle, pe parluris lest & nerewest. Þe clot in ham beo twouold, blac cloð, þe creoiz hwit wit

innen & wiðuten. Þe blake clot bitockneð þet ze beog blake, & unwurde toward þe worlde wiờuten, þet te soţe sunne, pet is Jesu Crist, hauet wiřuten uorkuled ou, & so wiðuten ase ze beoo unseauliche, imaked ou þurh gleames of his grace. Þet hwite creoiz limpey to ou; uor preo

P. 50.

p. 104,

p. 48. 1. Omni custodia etc., cf. Prov. 4, 23. 2. wite, guard. Dies bei unserem Verfasser so hänfige Verb kennen wir in den Formen witen und ritien s. X. COMMANDM. 66, Pop. Sc. 46. Man vgl. dazu die ags. beritan und bevitjan, bedeotjan, curæ habere. hire ist auf heorte bezogen, welches, wie ags. heorte, cor, fem., von unserem Verfasser als weiblichen Geschlechtes behandelt zu werden pflegt, cf. 1. 8, 9, 10 p. 76, 120 etc. 3. iwast, guarded, kept. Diese Participialform gehört zu witen, iwiten, und ist aus dem Präteritum (ags. riste, ryste) in das Particip eingedrungen , welches witen, iwiten lauten sollte, wie in: purh pinne stiwærd pe haueð ivoiten al pis ærd Laz. II. 143. Bei unserem Verfasser steht öfter iwust: Long silence & wel iwust p. 72. Ich ouhte wel uorte habben iwust me wisluker p. 318. Vgl. auch: Þe heorte bið biwust vuele

smocchunge. spekunge MORT. smecchinge T. Den Irrthum hat auch MORTON angemerkt, welcher smekunge lesen will; sonst findet sich aber in unserem Texte smecchunge p. 64, 104. 4. uelunge, feeling, cf. p. 110, 114, 116. 6. lupes, leaps, s. St. Crist. 148. ne. ne ne MORTON. In dieser Verdopplung kann die Negative nur dem lat. neque entsprechen, welches hier nicht passt. Dittographien sind übrigens hier zuweilen anzutreffen; 80 steht pe pe für pe p. 164. peou peoudom für peoudom p. 218. hol holden für holden p. 430. etfliho, flees away, escapes. Cf. Etfleon p. 172, 390. Leste pe heorte etfleo p. 50. Min heorte is et flowen me 1. 8. His prelles etfluwen him & etbreken him p. 172. In entsprechender Bedeutung wird auch etsterten 1. 7 und etbreken l. 11 gebraucht. Wie die Präposition et für das ags. üt steht, kommt sie auch in den Zusammensetzungen in dieser Form vor. 7. was etstert = was etflowen. Cf. Lette hire etsterten I. 11 s. 1. 6. 8. Cor meum etc., cf. Ps. 40, 12. Þet is. pis Mort. Dies mochte aus þ is entstehen, wie wir oft im Texte finden, wo die Uebersetzung folgt. 9. Invenit etc. Cf. 2. SAMUBL. 7, 27. 11. etbrec s. 1. 6. Brutus atbrac Laz. I. 57. Þe king.. unæðe him seolf atbreac (ascapede j. T.) I. 68. 12. eie þurl. þurl, hole, opening, window, ags. Þyrl, pirl, foramen, apertura, wird hier öfter auf das Auge bezogen, eiðurles p. 80, wie es nachher p. 50 die Fenster bedeutet. 13. schulen, scuhlen Morton. Dagegen schulen C. T. dem durchgängigen Gebrauche unseres Verfassers gemäss.

p. 50. 14. Uorpai, therefore. Diese Form treffen wir hier häufig neben uorpi, forþi, wie p. 52, 56, 140, 142, 152, 154, 174, 176, 270, ebenso forpui p. 140, 152, 156, 158 etc. Diese Schreibweise ist der von hwui p. 146, 162, 164 etc., vor hwui.. uorpui p. 270 assimilirt; vgl. ags. hoy.. þý. our, ower, ouwer, your, häufig in der ersten Form, wie ou = you. purles, windows, windohes T. s. p. 49, 62. 15. Þe parlaris lost & nerewest. Diese Worte verrathen die Unvollständigkeit unseres Textes, wie denn auch die anderen Handschriften hier abweichen: þe parlure windohe beo least f narewest T.; von dem Worte purles ab: [loket pat tei) beon lutle, $ pe parlures least, $ eke narewest C. Vielleicht ist nach parluris einzuschieben : þurl beo (the parlour's window be smallest and narrowest). creoiz, cross, cf. 1. 18 p. sq. 1. 2 p. 18, 132. Dafür st. creoix p. 346, pl. creoices cf. p. sq. l. 1. 16. unwurde, unworthy, unbecoming. 17. Þet te sode sunne. Wir finden sehr häufig, obwohl nicht regelmässig, hier wie bei anderen gleichzeitigen Schriftstellern, nach einem auslautenden t oder d das ursprüngliche p in þe, þet, þes, pis, peos, pu, þauh, þer in t verwandelt; nach auslautendem s bemerken wir dagegen in unserem Texte diese Verwandlung nur nach Verbalformen wie in: kalenges tu p. 51 u. a. dgl. haned.. uorkuled, has.. blackened, scorched? Diesen Worten entspricht im lateinischen Texte des MS. Oxon. decolorauit, discoloured. Cf, Ure inwit, uorkuliinde hire suluen mid be fure of sunne p. 306, wo die Varianten forswidande T. und for cweðinde C. vorkommen. Wir denken an die Abstammung des Wortes von ags. col, altn. kol, ahd. kol, kolo, cholo, carbo 8. KING HORN 1064. 18. unseauliche, unseemly. Cf. Ich am blac & tauh hwit.. unseaulich wiðuten, & schene wiðinnen p. 10. limped to ou, belongs to you. Der Verfasser macat hänfig Gebrauch von dem Zeitworte limped, wie p. 10, 70, 158, 194, 204 etc., cf. ags. Hvät limped püs þe? Bera 1, 7. limpan, evenire, contin

Ancren Riwle

ed. Morton. manere creoices beor, reade, & blake, & hwite. Þe reade limper to peo pet beor, uor Godes p. 50. luue, mid hore blodshedunge irudded & ireaded, ase pe martirs weren. Þe blake creoiz limped to peo pet makiex ite worlde hore penitence uor Jodliche sunnen. Þe hwite creoiz limped to hwit meidenhod, & to clennesse, Þet is muchel pine wel uorto holden. Pine is oueral þurh creoiz idon to understonden. pus bitockneð hwit croiz þe ward of hwit chastite, pet is muchel 5 pine wel uorto witene. Þe blake clot alse, tekeđe bitocnunge, deo lesse eile to pen eien, & is þiccure azein þe wind, & wurse to þurhseon, & halt his heou betere uor winde & for oțerhwat. Lokef þet te parlurs beon euer ueste on eueriche halue, & eke wel istekene, & witeð þer our eien ; leste be heorte etfleo & wende ut, ase of Dauid, & oure soule secli so sone heo is ute. Ich write muchel uor ofre, pet noting ne etrinet ou, mine leoue sustren; vor nabbe ze nout 10 þene nome, ne ne schulen habben, þurh þe grace of Gode, of totinde ancres, ne of tollinde lokunges, ne lates, þet summe oferhwules, weilawei! unkundeliche makiet; vor azein kunde hit is, & unmet swuc wunder, þet te deade totie, & mid cwike worldes men wede wið sunne.

teke pe

gere, pertinere. 2. irudded & ireaded. Die beiden synonymen Verbalformen entsprechen der neue. reddened
und dienen zur gegenseitigen Verstärkung. Statt irudded steht sonst auch iruded: Haveð ikeiht cwic heou, & is
iruded faire p. 332, auch in der Verbindung, wie hier: Godes rode paruh his deorewarde blode iruded & ireaded
p. 356. Vgl. Jesu Crist ireaded mid his owune blode ode rode p. 402, ags. reádjan, rubere, rubescere; reodan, rube-
facere, cruentare. 3. lodliche, hateful, odious, ags. lâdlíc odiosus, detestabilis, superl. lodlukeste p. 66.
4. þet.. norto holden, wbich.. to preserve, wie þet.. uorto witene 1. 5, 6. Das Relativ als Objekt der In-
finitive bezieht sich natürlich auf das voranstehende Substantiv. 6. torto witene s. p. 52 unter to donne.
tekede bitocnunge. Morton übersetzt irrthümlich diese Worte mit: teacher an emblem, so dass tekeđe für
teche stände; wir nehmen dagegen tekede für die Partikel teke = teken mit dem Artikel de, wie er in den
Verbindungen ide, ode etc. hier zu erscheinen pflegt, und übersetzen etwa: beside the meaning expressed by it.
Wir finden nämlich teken und teke mit dem Objektskasus verbunden: Teken pet p. 170, 244. leke pet p. 78, 106.
Teke pis p. 140, 156, wie Teken pis pet he is so mihti S. MARHERETE p. 4 Teke pat HALI MEIDENH. p. 31, 37. Teke
bis 18. p. 31. Þet tu icnawe perbi hu murie pu maht liuen meiden ipi meidenhad ouer þat heo libben,
murhỏe & te menske in heuene 18. p. 25. Das ags. to eacan, in additamentum, wird nicht blos adverbial (insuper),
sondern auch präpositional (præter) mit dem Dativ verbunden. Die Abwerfung des n in teke, wenn auch öfter
Varianten das n hinzufügen, kann neben vielen ähnlichen Vorgängen nicht auffallen. Uebrigens s. Oeu Ded. 37.
eile, ail, pain, harm, cf. Muchel eil p. 62. Eilourles 1B., ags, egle, molestus, infestus. 7. þarhseon,
see through, ags. Þurhseón, perspicere. heou, colour. oðerhwat. Das Pronom hwat ist indefinit (aliquid). Cf.
He.. spekeð þeonne of ođerhwat p. 96. Inc pet & in ođerhwat p. 168. Nouðer frut ne oderhwat p. 428. 8. istekene,
shut. Cf. Steken veste euerich þurl p. 62. Þair fattenes Þai stake (adipem suum concluserunt) Ps. 16, 10 s.
bisteken 1B., ags. stecan, stüc, stecen, pungere.

9. secli, fall sick, ags. sýcljan, ægrotare. 10. Þet noding etc.,
nach Morton: for nothing [here said] applies to you, doch bezieht sich pet vielmehr als Relativ auf muchel und
noding ist adverbial zu nehmen; lat. quod nihil (nulla ratione) ad vos attinet. etrineð, touches, applies, to, ags.
äthrînan, tangere. Cf. arinen: Gles ne tobrekeð nout bute sum þinc hit arine p. 164. Alle pe pinges Þet heo arine
p. 408, ags. âhrinan, tangere. 11. totinde, peering, spying, looking about. Cf. Þet te deade totie 1. 13. Uorte
toten utward

P.

52. Toten vt JB Euer se recluses tote$ more utwardes, se heo lasse wendet inwardes p. 92. To totinde, & to hercwile, & to babelinde, & to spekefulle ancren p 100. Zur Erklärung des Begriffes dient das Substantiv desselben Stammes : Hwat vuel beo icumen of totinge p. 32. Ved pine eien mid totunge p. 100. Das Zeitwort ist auch sonst und spät noch gebraucht: He stod and totede in at a bord HAVELOK 2104. Devocion stondyth fer withowt At the lyppys dore, and toteth ynne MS. CANTAB. Ff. II. 38 f. 25 bei Halliw. Dict. p. 883. Vgl. auch: Tote hylle. Specula PROMPT. Parv. und War Ib. p. 497. Das Verb weiset auf ags. tõtjan, eminere, womit man das altn. tota, rostrum, nasus, zusammenstellen darf. Die Vorstellung des Aussehens , Hinausblickens mag sich an die des Vorstreckens reihen. tollinde, enticing, alluring. Das Verb erscheint mit o und u in der Stammsylbe sowohl früher als später. Cf. Þis tolleđ him touward pe p. 290. Mi liht onswere.. tulde bim erest upon me p. 320. Ne ne tulle ze to be jete none unkuðe harloz p. 414. Swa mai man tolli him to Lutle briddes and ivo 0. A. N. 1625. With empty hand men may na hawkes tulle C.. C. T. 4131 s. MÄTZNER Gr. I. 196. Tollyn, or mevyn, or steryo to doon. Incito, provoco, excito Projet. Parv. 12. lates, gestures. Cf. Hwuche beoð widuten alle his lates p. 120. Mid eni lihte latex p. 204. Wið luueliche lates S. MARDERETE p. 14, cf. METR. Hom. I. 113. oderhwules, sometimes, at times, cf. p. 68. unkundeliche, unnaturally, unbecomingly. 13. unmeð swac wunder. MORTON übersetzt; a singulary strange prodigy und giebt unmeở mit Bezug auf unsere Stelle im Glossar durch immense wieder. Unme kann aber nicht als Positiv zu dem Komparativ unmeðluker p. 238, 266 angesehen werden; es ist ein Substantiv: Evrich thing mai losen his godhede Mid unmethe and mid overdede 0. A. N. 351. Min is pe guld and pe unmep Floriz a. Bl. 675 ed. Lumby, wie map, međ s. Oru Hom. 11437, vom ags. mæð, modus, mensura. Das Adjektiv setzt die Bildungssilbe lîc voraus. Wenn die Lesart richtig ist, hat man is nach unmeo (in der Bedeutung von Ungebühr) wiederholt, und swuc wunder als Subjekt des Satzes zu denken. Svuc = swuch, sach, kehrt wieder: Suuc grnre he hefde p., 112, vgl. hwuc p. 64, 336. Statt swuc bieten selli T., sullich C. wede, rage. Das Zeitwort wird auch auf Affekte, wie Verliebtheit, gleich dem lat. insanire, angewendet. Dahin gehört auch das von MORTON misverstandene: Wedde mid oder men p. 368. Cf. Wib Abulf child he wedde K. HoRs 300. Morton übersetzt die

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