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Halt still, ich wil dich vorhin bindn,
Ich hoff, du solt dich bass befindn.

Joachim.
Ich wil mit gehn, so wol ich mag,
Dann ich gar grosse schmertzen trag
Von schlegen stichen vnd von wundn.
O danck dir Gott zu allen stundn,
Vergelt dirs auch in ewigkeit,
Das du vbst die barmhertzigkeit.

Samaritan.
Ich thu es gern, bins auch verpflicht,
Wers ein Wild Thier, ich liss es nicht,
Viel mehr ich dir erzeyge radt.
Nu richt dich auff vnd geh von stat.

Joachim.
O Zörn nicht, das jch langsam geh,
Dann all mein leyb thut mir so weh,
Hett dich Gott nicht zu mir gesant,
Ich wer gestorben all zuhant.

Samaritan.
Geh wie du magst, es irrt nicht vil,
Dann ich bey dir verharren wil,
Setz dich hieher, gehab dich wol,
Dann ich den Wirt hiehr ruffen sol,
Das er dich schaffen hilfft ins haus,
Do wird dein bass gewartet aus.

Joachim.
Ojch bit dich, biss nicht sehr lang,
Dann mir ist angst vnd hefftig bang.
Ich danck dir Gott in ewigkeit,
Das du itzt aus barmhertzigkeit
So gnedig mich hast angesehn
Vnd hast mir lassn hülff entstehn,
Des ich dich stetigs preisen wil
Biss an mein end vnd gsetztes zil.
O Lieber Gott, bezals dem man,

Der dise trew an mir hat gthan.
[10. Scene. Samariter. Wirt. Knecht.)

Samaritan.
Gott gruss euch Wirt, jch bit das jr
Ein knecht wolt lassen gehn mit mir,

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(Briij b)

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Ich hab gfundn in kurtzer stundt
Ein armen, der ist hart verwundt,
Nembt jn zu euch in ewr pfleg,
Wenn ich her wider reis den weg,
So wil ichs euch verlonen wol
Vnd wil euch geben was ich sol.

Wirt.
Ich wil es thun, jr dörfft nichts sorgn,
Ich wolt euch all mein guter borgn.
Knecht, schick dich bald vnd rüst dich zu,
Vnd was dich der man heist, das thu.

Knecht.
Ja Herr, ich bin schon zugericht
Vnd wil die sach gar seumen nicht.

Samaritan.
So greiff in an vnd für jn leiss
Vnd bring jn heim mit allem fleils.
Wirt, ich wil euch zwene groschn gebn,
Vnd pflegt des krancken wol vnd ebn,
Verzert er mehr, thut mirs zurechn.

Wirt.
Ich wil jm lassen nichts gebrechn
An essen, trincken vnd labsal,
Ich wils jm schicken als zumal,
Biss das ihr wider hiher kumbt.

(Cja)
Samaritan.
Helff Gott, das er werd bald gsund.

[11. Scene. Sara.

Sara.
Ach lieber Gott, ich grem mich sehr,
Mir ist mein hertz so trefflich schwehr,
Ich wil itzt zu meim Schweher gehn.
Ob ich doch möcht von ihm verstehn,
Auch ob er hett so viel vernomn,

Wenn doch mein man würd wider komn.
[12. Scene. Frisgar. Rürn würffel. Seltensat. Baurn-

feindt.]

Frisgar.
Nicht lang vergangen stis mir auff
Ein Kauffmann, der hett gelts volauff,

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Wiewol er was sehr wol bewehrt,
Noch was ich vnd mein gsell jm hert,
Wir schlugen ihn zu boden gar
Vnd namen alles was do war,
Mich dunckt auch, das er sein gnug hab,
Dann ich ihm viel der wunden gab
Vn liss ihn ligen an der erd.

Rürnwürffel.
Mein lieber gsell, es ist angferd,
Wir nemens wo wir kön vnd mögn,
Dann wir zur arbeit gar nicht tögn.
So wir denn werdn ergriffen nun,
Ist vmb ein kap vol fleisch zuthun.
Hastu die peut, wie du itzt sagst,
Mit mir du die wol theylen magst.

Frisgar.
Ich merck nicht, das ihr theilt mit mir,
Den Rock habt auch behalten ihr,
An was ihr heimlich habt erzwackt,
Dauon ihr mir auch wenig sagt.
Was ich bekom, das wil ich wol
Vor euch verteidign, wie ich sol.

Seltensat.
Das müste dein Sanct Velten waltn,
Wolstu das gelt allein behaltn,
Das ist gar nicht die meynung mein.
Nur denck, es muss also nicht sein,
Du must vns itzund theil mit gebn
Oder must dich kostn leib vnd lebn.
Herbey, ihr lieben gsellen mein.

Frisgar.
Noch nicht so bald, das muss nicht sein.
Legt ihr vor nider gelt vnd wahr,
Was ihr erschnapt habt gantz und gar,
Wo nicht, so lass ich mich nicht pochn,
Vnd sollt ich zehn mal werdn erstochn.

Seltensat.
Leg nieder das gelt vnd mach ein end
Odr wer dich, das dich pox vnfal schend.

Baurnfeindt.
Halt frid, er wird sich tapffer stelln,
Wie sich gebürt eim guten gselln.

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[Cijal

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Frisgar.
Wolan so macht die theilung gleich,
Darnach muss gelden arm mach reich,
Wers gar behelt odr thuts entbern,
Ich balg mich hie mit euch nicht gern
Mit euch zubalgen ist on not,
Viel Hunde seind der Hasen tod,
Mir möcht wol ergers folgen draus,
Drumb geb ich lieber das gelt raus.

Rürn würffel.
Wir wolln das spil hie lassen farn
Und wollens in die herberg sparn,
Da wollen wirs glüch lassen waltn,
Wers denn gewint, der mags behalten,
So krigt der Wirt auch was daruan,
Er muss doch abentheur bstan,
So vnser einer wird ertapt
Vnd sich mit worten den verschnapt,
So ist hengen die best kurtzweil,
Wo jm nicht wird das Raht zutheil.

Seltensat.
Ey nu wol auff, es ist auch zeit,
Es ist noch in die herberg weit,
Wiewol es vns nicht wil gebürn,
Das man yns möcht am tage spürn,
Man möcht bald kundtschafft auff vns than,
So wird der tod S. Velten han.

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(Cij b)

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Beschlus.
Also ihr lieben Herren all,
Hört weiter zu mit wolgefall,
Das ider aus dem spil itzt sol
Ditz mercken vnd auch lernen wol,
Dieweil die Sünd vns all betrifft,
Von Adam her wir seind vergifft,
An leib vnd seel verlorn gar,
Von Gott verstossen, das ist war,
Drumb war niemand, der helffen kund
Vnd vns erretten von der sund,
Biss das Gott sant sein lieben sun,
Der vor vns all genug solt thun,
Wie er dasselb denn hat gethan
Vnd ist der recht Samaritan,

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(Ciija)

Der sich aus lauter lieb vnd gunst
Allein aus gnad vnd gar vmbsunst
Vns, die wir lagen an der strass
Vnd als mit vns verdorben was,
Verwundet von des Bapstes lehr,
Verfüret vom Teufflischen hehr,
Auff menschen rand stund vnser grund,
Der vns doch keiner helffen kund,
Entsatzten sich nur alle drübr,
Sie hulffen nichts, gingen fürübr,
Bis der gebenedeite sam
Zu vns auff dise Welt her kam,
Christus der ware mensch vnd Gott,
Der vns erlöset von dem todt,
Den Teuffel in der hellen band,
Das Gsetz auch hat erfült zuhandt,
Der heylet vnser wunden fein
Vnd goss vns darein öl vnd wein,
Das war sein leib vnd theures blut,
Welchs er vns alln vergoss zugut
Vnd füret yns ins Wirtes haus,
Gab auch daselbst die zerung aus,
Auff das er ja sein lieb erzeigt,
Wie er menschlichem gschlecht geneigt.
Des dancken wir ihm alle gleich
Vnd preissen ihn im höchsten reich,
Das auch gheyligt werd sein namen,
So sprech wir all eintrechtig Amen.

Ende.

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Gedrụckt zu Zwickaw,

(Cij b] durch Wolffgang

Meyerpeck.

M. D. XLV. (Schlussvignette: rechts [für den Beschauer links] der sächsische Balkenschild mit dem Rautenkranze; links [für den Beschauer rechts) ein Schild mit drei Schwänen, dem Wappen der Stadt Zwickau; über beiden Schilden ein an den Enden gerolltes Band.)

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