Vorlesungen über den deutschen Roman der Gegenwart: Literar-und culturhistorische Studien

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Nicolai (A. Effert & L. Lindtner), 1871 - 300 Seiten
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Seite 59 - Der Gott, der mir im Busen wohnt, Kann tief mein Innerstes erregen, Der über allen meinen Kräften thront, Er kann nach außen nichts bewegen; Und so ist mir das Dasein eine Last, Der Tod erwünscht, das Leben mir verhaßt.
Seite 109 - Wind weht, wo er will, und du hörest sein Sausen wohl, aber du weißt nicht, von wannen er kommt, noch wohin er sährt.
Seite 43 - Auf der Grundlage historischer Studien das Schöne und Darstellbare einer Epoche umspannend, darf der Roman auch wohl verlangen, als ebenbürtiger Bruder der Geschichte anerkannt zu werden, und wer ihn achselzuckend als das Werk willkürlicher und fälschender Laune zurückweisen wollte, der mag sich dabei getrösten, daß die Geschichte, wie sie bei uns geschrieben zu werden pflegt, eben auch nur eine herkömmliche Zusammenschmiedung von Wahrem und Falschem ist, der nur zu viel Schwerfälligkeit...
Seite 42 - Roman das sein, was in blühender Jugendzeit der Völker die epische Dichtung, ein Stück nationaler Geschichte in der Auffassung des Künstlers, der im gegebenen Raume eine Reihe Gestalten scharfgezeichnet und farbenhell vorüberführt, also daß im Leben und Ringen und Leiden der Einzelnen zugleich der Inhalt des Zeitraums sich wie zum Spiegelbild zusammenfaßt.
Seite 15 - Eine mächtige Handlung, bedeutende historische Gestalten im Hintergrunde der Dichtung, im Vordergrunde aber frei erfundene, für die Zwecke des Gedichts unbedingt verwendbare Charaktere, historische Treue der Färbung und des Kostüms, ohne Anekdotenjägerei und Schloß- Kastellans-Sty l, Enthaltung von den Effekten der AntiquitätenSammlung, bei entschlossener Betonung des bleibend Nationalen und Menschlichen in den Gestalten der Vorzeit
Seite 158 - ...dieser Roman hat seinem Verfasser einen Namen gemacht unter den deutschen Aesthetikern, und lockt noch heute eine gläubige Gemeinde von schönen Seelen in seine traumhaften Labyrinthe : eines von vielen Beispielen für die Langsamkeit und Ungleichmäßigkeit, mit der die culturhistorischen Wandlungen sich in unserm vielgegliederten und gebrochenen Volke vollziehen
Seite 107 - Hause denkt daran, und wer weiß, ob Viele es wünschen. Aber das große Haus weiß es, und in der Nacht rührt sich's in allen Winkeln, und es knistert im Holz, und es summt in den Galerien, und es arbeitet leise in allen Wandverschlägen , der Mondschein überzieht heut alle Gänge mit mattem Silber, und in den geheimsten Winkeln zittert ein dämmriges Licht.
Seite 220 - Aber auf alle diese Figuren kann man ein sehr treffendes Wort anwenden, welches Gutzkow mit einer Art instinctivem Scharfsinn ausspricht, ohne zu merken, daß er sich selber damit trifft: „Was soll uns die wuchernde Ueberfülle des Geistes, die nur der Form, nicht dem Inhalt der Wahrheit dient! Seht diese Geistreichen! Wie sie sich recken und dehnen, um wunderbare Figuren zu Stande zu bringen, und der gerade, schlanke Wuchs der Ueberzeugung fehlt! Diese Menschen sind unser Unglück. All ihr Geist...
Seite 171 - Gasse" einst an Leid und Freud', an Drangsal und Aufrichtung umschloß; ihre Gestalten und Naturen, so treu wiedergegeben, als ich es vermochte, sollen darthun, unter, welchen Kämpfen und Wehen das Licht des Morgens nach so langer Nacht für sie angebrochen ist; mit welchen Gefühlen, Anschauungen, Widersprüchen und Dissonanzen sie hart an der Schwelle stehen, die in das Thor der Gegenwart führt, einer Verjüngung entgegen, deren letztes Grgebniß noch nicht abzusehen ist.
Seite 256 - Nichts! absolut gar nichts, nichts für sich, nichts an sich, an und für sich: nichts! und daß dieses hohle, öde Nichts des Pudels Kern sei, daß all unser bestes Streben nichts sei, wir unser Herzblut an nichts und wieder nichts setzen, sehen Sie, meine Herren, das hat den Jüngling von Sais toll gemacht, das hat mich verrückt gemacht, und wird auch Sie um den Verstand bringen, wenn Sie irgend welchen aus Ihren Spatzenköpfen zu verlieren...

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